Das Reinheitsgebot 3: Bio? Logisch!

Eingestellt von am 11.12.2012
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Im dritten Teil unserer Reihe zum Reinheitsgebot geht es um die folgende sehr grundsätzliche Entscheidung: Möchte ich mit meinem Kaufverhalten eine konventionelle Landwirtschaft unterstützen, die dem „Wert“ der Quantität gegenüber dem der Qualität Vorrang gibt oder kaufe ich so ein, dass eine nach ökologischen Richtlinien produzierende Landwirtschaft unterstützt wird – und damit der Vorrang der Qualität vor der Quantität?

Im folgenden wollen wir auf ein paar harte Fakten und offensichtliche Zusammenhänge im Rahmen dieser Grundsatzentscheidung aufmerksam machen.

Inhaltsverzeichnis

Bio? Logisch!

Logisch sollte vor allem eines sein – einen gesunden Menschenverstand wie selbstverständlich voraussetzend: Lebensmittel sollten völlig oder zumindest weitestgehend frei sein von irgendwelchen Schadstoffen oder Belastungen jedweder Art. Das ist der natürliche Zustand. So sollten wir unsere Lebensmittel genießen. Und ganz nebenbei. Ich jedenfalls bin der Meinung (und dazu brauche ich ganz sicher keine Studie), dass wir auch der Natur gegenüber verpflichtet sind – verpflichtet alles zu tun, um sie nicht noch weiter zu schädigen. Nicht nur um unserer Selbst willen, sondern tatsächlich um ihrer Selbst willen. Wir sind es, die hier die Verantwortung tragen – und auch tragen müssen. Aus der Verantwortung stehlen wird nämlich schlicht nicht gelingen und uns früher oder später sehr teuer zu stehen kommen.

Ökologischer Landbau ist nachgewiesenermaßen nachhaltig. Natürlich hat auch er Auswirkungen auf die natürlichen Ressourcen. Und, um es ganz genau zu nehmen, auch im Ökolandbau gibt es deutliche Unterschiede hinsichtlich der Nachhaltigkeit. Wer sich als Landwirt den Richtlinien der Permakultur verpflichtet fühlt, arbeitet – ähnlich wie ein nach Demeter-Richtlinien zertifizierter Landwirt – im Einklang mit den „Gesetzen der Natur“. Das allerdings wird auf die wenigsten, der nach EU-Richtlinien zertifizierten Bauer zutreffen.

Und dann schließlich gibt es eine große Anzahl an Landwirten, die zwar „ökologisch“ wirtschaften, ein Zertifikat jedoch aus politisch-finanziellen Gründen ablehnen. Solche Landwirte lernt man im persönlichen Gespräch auf dem Wochenmarkt kennen. Hier wird Vertrauen zur Grundlage verantwortungsbewussten Handelns.

So oder so: Wir als Konsumenten haben die Wahl. Immer. Und auch immer wieder.

Gerade für den grünen Smoothie gilt: Bio? Logisch! Ganz einfach deshalb, weil wir im grünen Smoothie die gesamte Pflanze verwerten. Alles findet Verwendung: Blätter, Stiele, Schale und Kerngehäuse. Nichts wird geschält. Kaum etwas abgeschnitten. Schon alleine deshalb spricht alles für Bio – und gegen konventionell angebaute Produkte.

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Fakten. Fakten. Fakten

Alle weiteren Gründe jetzt im Schnelldurchlauf:

  • Schadstoffbelastung: Sie ist in biologisch angebauten Produkten signifikant geringer. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen worden. Unzweifelhaft. Das Ökomonitoring des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts in Stuttgart liefert dazu regelmäßig Daten: Konventionelles Obst und Gemüse enthielt in den Jahren 2002 bis 2006 im Mittel 0,4 Milligramm Pestizidrückstände pro Kilogramm. Bioprodukte lagen dagegen  im Schnitt bei 0,003 bis 0,004 Milligramm je Kilogramm.
  • Grenzwerte: Kein Mensch – auch kein Wissenschaftler – kann mit Sicherheit sagen, wie genau sich mehrere unterschiedliche Rückstande in einem Lebensmittel zueinander verhalten, ob es also zu einer Addition / Multiplikation der (negativen) Wirkungen kommt – oder eben nicht. Es liegt (logisch) nahe, dass es zu Wirkungen kommt, ja kommen muss. Genau genommen zu negativen Wirkungen. Alles andere ist Augenwischerei. Hier eine Analogie: Wenn sekundäre Pflanzenstoffe in minimaler Dosis positiv wirken, dann liegt nahe selbiges für Schadstoffbelastungen anzunehmen – nur gilt hier analog: minimale Schadstoffbelastungen führen trotz minimaler Dosis zu einer negativen Wirkung. Wer also intelligent ist, der beugt vor! Erst recht, wenn er regelmäßig grüne Smoothies trinkt.
  • Umwelt: Auch auf die Gefahr bereits bekanntes zu wiederholen, konventionelle Landwirtschaft schadet der Umwelt, biologische – im Idealfall zumindest – nicht. Christian Opitz, ein bekannte Ernährungswissenschaftler, drückt es in seinem (sehr empfehlenswerten) Buch „Befreite Ernährung“ wie folgt aus: „In der konventionellen Landwirtschaft ist der Fokus vollständig darauf gerichtet, die Erträge kurzfristig zu steigern, ohne Rücksicht auf die langfristigen Folgen für Umwelt und menschliche Gesundheit. Mit Monokulturen und künstlicher Düngung lassen sich kurzfristig auch Ertragssteigerungen erzielen, doch auf diese Weise hochgeputschte Nutzpflanzen gleichen einem Bodybuilder, der mit Anabolika beeindruckende Muskelmasse aufbaut, aber dessen innere Organe dabei atrophieren.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.
  • Monokultivierung: Wenn man extensive Landwirtschaft betreibt, dann tut man dies fast zwangsläufig auf Kosten der Diversifizierung (Artenvielfalt). Die Folge: Monokulturen müssen durch menschliche Eingriffe „am Leben erhalten“ werden. Konkret heißt das: Es wird gedüngt, und zwar künstlich und gespritzt, und zwar chemisch-synthetisch. Beides, die Kunstdüngung und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (Pestiziden) sind notwendige Übel, denn ohne Kunstdüngung bzw. Pflanzenschutzmittel ist extensive Monokultivierung nicht möglich, da schlicht nicht überlebensfähig! Die Folgen: Versauerung der Böden, Verschmutzung von Grundwasser und Oberflächengewässer, erhöhter Energieverbrauch inklusive der gesteigerten Emission klimaschädlicher Gase.
  • Monopolisierung: Monokultivierung fördert Monopolisierung von z.B. gentechnisch verändertem Saatgut. Abgesehen von der Tatsache, dass die gentechnische Veränderung von Tier- und Pflanzenwelt alles andere als „risikolos“ ist (wie viel zu oft und verharmlosend suggeriert wird), führt jede Monopolisierung zu einer einseitigen Abhängigkeit zwischen Verbraucher und Produzent, denn dort wo mit Saatgutmonopolen (gentechnisch veränderter) Sojabohnen, Raps, Baumwoll- oder Maispflanzen gearbeitet wird, bleiben die gentechnisch unveränderten Alternativen auf der Strecke. Und mit Ihnen die dazugehörigen An-Bauer. Sie sind die Verlierer. Und wir. (Klein-)Bauern und Verbraucher also. Die Gewinner heißen Monsanto und Co.. Ihr Ziel ist immer das Gleiche, lediglich der Weg unterscheidet sich von Land zu Land: Beherrschung des Saatgutmarktes.

Was also ist die Moral von der Geschicht‘? Ganz einfach: Konventionelle Landwirtschaft unterstützt man nicht! Und das gilt „ohne wenn und aber“ – auch und gerade, wenn es um die Zubereitung grüner Smoothies geht. Denn hier verwenden wir die ganze Pflanze. Und darum sollten wir alle außerordentlich hohen Wert darauf legen, dabei ausschließlich biologisch angebaute Produkte zu verwerten.

Dazu passt: Eine im Auftrag von Greenpeace durchgeführte Studie zweier unabhängiger Experten kommt zu dem Schluss – und jetzt kommt’s – dass vor allem Obst und Salate aus konventionellem Anbau (genau genommen: Tafeltrauben, Salate, Erdbeeren und Zitrusfrüchte) weit überdurchschnittlich stark belastet sind.

Übrigens: Im Rahmen der Studie wurden insgesamt 1.134 der weltweit eingesetzten Pestizide überprüft. 327 davon wurden in die „Schwarze Liste der Pestizide“ aufgenommen. Eine „Ehre“ die ausschließlich jenen Substanzen zuteil wurde, die nachweislich krebsauslösend wirken, das Fortpflanzungsvermögen beeinträchtigen oder das Hormon- und Immunsystem schädigen.

Und nun noch zu einer letzten – einer nicht ganz unwichtigen Frage – die jeder „Biofan“ sicherlich schon einmal gehört hat. In der Regel wird sie von jenen Leuten gestellt, die mit „Bio“ nichts anfangen können oder wollen.

„Ist Bioanbau eigentlich vollständig rückstandsfrei?“ 

Um es kurz zu machen, nein, leider nicht! Auch Bio-Obst und -Gemüse kann mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln belastet sein. Hierfür sind im Wesentlichen zwei Gründe verantwortlich: „Altlasten“ der jetzigen Bioäcker aus der Zeit konventioneller Bewirtschaftung und Pflanzenschutzmittel, die auf einem mehr oder weniger entfernten Feld eingesetzt und vom Wind herbei- und herübergeweht werden.

Trotz (!) dieser Einschränkungen gilt: Die Belastungen in biologisch angebautem Obst und Gemüse sind deutlich geringer. Alle wissenschaftlichen Untersuchungen belegen dies unzweifelhaft, selbst dann, wenn die Überschrift der Studie etwas ganz anderes suggerieren möchte, so z.B. bei einer von der Stiftung Warentest durchgeführten Meta-Analyse zum Thema. Hier war reißerisch von der „Bio-Lüge“ die Rede. Und warum? Das lässt sich beim besten Willen nicht wirklich nachvollziehen. Die Studienergebnisse jedenfalls sprechen für sich und damit eine andere Sprache. Aber wer liest schon Studienergebnisse und -designs im Detail?

Die Frage muss erlaubt sein: Warum wohl legten die Tester so großen Wert darauf zu betonen, dass Bio-Produkte nicht gesünder seien als die Konkurrenz, und warum  beeilten sich die Medien so, diese Botschaft zu verbreiten. Warum wohl!?

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Fazit

Abschließend sei noch einmal festgehalten: Uns geht es in diesem Artikel ausschließlich darum zu sensibilisieren: Wir haben nicht nur eine Verantwortung unserer Gesundheit und der Gesundheit unserer Familie gegenüber. Diese Verantwortung gilt uneingeschränkt auch gegenüber unserer Umwelt: der Tier- und Pflanzenwelt. Mehr noch: Beides ist miteinander verschränkt. Auf ewig.

Mit jedem Einkauf können wir dieser Verantwortung gerecht werden und ganz nebenbei unsere Stimme abgeben. Denn unser Kaufverhalten ist es, das letztlich darüber mitentscheiden wird, welchem System – konventionell vs. biologisch – politisch der Vorrang gegeben wird.

Gleiches gilt übrigens für gentechnisch veränderte Lebensmittel. Auch hier tut sich die EU mit der Unterstützung von „Genfood“ nicht etwa deshalb schwer, weil sie die Sorge um die Gesundheit der Bevölkerung treibt. Genfood ist ein heißes Thema. Zu heiß. Wer sich als Politiker pauschal dafür ausspricht, riskiert ernsthafte Konsequenzen. Genfood ist einfach (noch) nicht sexy. Ganz im Gegenteil. Einem breiten Bündnis aus ganz normalen Menschen, Organisationen, aber auch Politikern unterschiedlichster Couleur ist es bisher gelungen der Lobbyarbeit der Großkonzerne auf EU-Ebene, eine entsprechend schlagkräftige zweite, vor allem auch veröffentlichte Meinung, entgegen zu stellen.

Dass das nicht selbstverständlich ist zeigt einmal mehr die USA. Hier ist die unkontrollierte Verbreitung gentechnisch modifizierter Lebensmittel kaum mehr zu stoppen. Und auch in Europa bröckelt die Front…

In diesem Sinne also: Aller Unkenrufe zu Trotz, wir haben Einfluss! Es gibt Möglichkeiten der Partizipation. Es liegt an uns, sie auch zu nutzen!

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Die Beiträge der Artikelreihe im Überblick

Im ersten und zweiten Beitrag der Reihe ging es um grundlegende Informationen zum grünen Smoothie. Wer diese Teile noch nicht gelesen haben sollte, hat das Beste verpasst …

Herzliche Grüße!
Euer Team Grüne Smoothies
Grüne Smoothies

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