Der Säure-Basen-Haushalt 1: Grundlagen

Eingestellt von am 06.08.2013
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„Aufklärung!“, so lautet das Ziel dieser kompakten Reihe zum Thema „Säure-Basen-Haushalt“. Aufklärung (auch) deshalb, weil das Thema gerade schwer „en vogue“ ist – und infolgedessen eine „Verzerrung der Berichterstattung“ stattfindet.

Aber so ist das nun mal, wenn verstärkt auf ein ganz bestimmtes Thema fokussiert wird und infolge dieser Fokussierung die größeren Zusammenhänge in den Hintergrund rücken. Das hat fast zwangsläufig zur Folge, dass vieles aus dem Blickwinkel eines Säuren-Basen-Ungleichgewichts betrachtet wird.

Mit den entsprechenden Verallgemeinerungen.

Kurzum: Aus dieser Sicht erscheinen wir alle geradezu chronisch übersäuert.

Die Kurzformel dieser Sichtweise lautet: „Säuren = schlecht“, „Basen = gut“. Je weniger von Erstem und je mehr von Letztem, desto besser. Basenfasten, Basenpulver, Badenbäder … all’ das und noch sehr viel mehr soll uns zurück in die Balance bringen.

Und natürlich: basische Ernährung auch mit dem grünen Smoothie!

 

Was davon ganz, weniger oder gar nicht richtig ist, wollen wir im Rahmen dieser Reihe klären.

 

Los geht’s mit ein paar biochemischen Grundlagen, die essenziell sind, wenn man das Thema wirklich verstehen möchte.

Säuren-Basen-Haushalt

Grundlagen

Das Grundlegende gleich zu Beginn: Für den normalen Ablauf des Stoffwechsels ist ein konstanter pH-Wert von großer Bedeutung.

Der pH-Wert wiederum steht in enger Wechselbeziehung zu Sauerstoff (O2) und Kohlendioxid (CO2). Sauerstoff wird im Körper zur Energiegewinnung verwendet, Kohlendioxid fällt als Endprodukt des Stoffwechsels an.

In wässriger Lösung bildet CO2 mit Wasser Kohlensäure. Diese Kohlensäure dissoziiert im Körper zu Bicarbonat und H+ (Proton). Das gilt grundsätzlich.

Außerdem fallen im Wege des Stoffwechselprozesses stetig Milch-, harn- und Schwefelsäure an. Auch sie dissoziieren und geben dadurch H+ (Protonen) ab.

 

Dennoch bleibt der pH-Wert des Blutes nahezu konstant. Er schwankt zwischen 7,35 und 7,45. Bei Werten unter diesem Bereich spricht man von Azidose, bei Werten darüber von Alkalose.

Veränderungen des pH-Werts würden den Ladungszustand von Proteinen und d.h. die Aktivität von fast allen Enzymen beeinflussen – lebensbedrohend beeinflussen (z.B. käme die Sauerstoffversorgung des Gewebes zum Erliegen).

 

Bevor wir uns dem pH-Wert zuwenden, werfen wir zunächst einen Blick auf die Wirkungsweise von Säuren und Basen. Diese nämlich steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem pH-Wert.

Chemie der Säuren und Basen

Säuren sind Verbindungen, die in Wasser gelöst Wasserstoffionen, sprich: Protonen (H+) abspalten können. Säuren entstehen, wenn sich wasserlösliche Nichtmetalloxide, z.B. Kohlendioxid, mit Wasser verbinden, indem das Gas in Wasser eingeleitet wird. Säuren gibt es also nur als wässrige Lösungen.

Basen (Laugen) sind Verbindungen, die in wässriger Lösung Protonen (H+) aufnehmen und  Hydroxylionen (OH-) abspalten können. Sie entstehen bei der Reaktion von Metalloxiden mit Wasser.

Reagieren Säuren und Basen miteinander, neutralisieren sie sich. Es entsteht eine neutrale Lösung: Bei der Reaktion von (gleichen Teilen) Salzsäure und Natronlauge entsteht Kochsalz und Wasser:

HCl (Salzsäure) + NaOH (Natronlauge) -> H+ Cl− + Na+ + OH ->  NaCl + H20.

Aus einer Säure und einer Base entsteht immer ihr Salz. Die Protonen (H+) und die Hydroxylionen (OH-) verbinden sich zu Wasser (H2O).

 

Wasser wiederum kann sowohl als Säure als auch Base wirken, je nachdem, mit welchem Stoff es reagiert.

H2CO3 (Kohlensäure) + H20 (Wasser) <-> HCO3 (Bicarbonat) + H30 + (Hydronium-Ion).

In diesem Beispiel hat Kohlensäure ein Proton abgegeben, Wasser eins aufgenommen. Kohlensäure fungiert also als Säure, Wasser als Base.

Es geht allerdings auch anders:

CO32− (Carbonat) + H20 (Wasser) <-> HCO3 (Bicarbonat) + OH– (Hydroxyl-Ion)

Hier also fungiert Wasser als Säure, die das Proton abgibt, Carbonat als Base, die es aufnimmt.

Wasser kann sich sowohl als Säure als auch als Base verhalten, da es sich zu Wasserstoffionen, d.h. Protonen (H+) und Hydroxylionen (OH-) aufspalten kann.

Der pH-Wert

Offensichtlich hängt alles mit der Konzentration, d.h. der Abgabe bzw. Aufnahme von Wasserstoffionen, sprich: Protonen (H+) zusammen.

Der pH-Wert ist in diesem Sinne ein Maß für die Wasserstoffionenkonzentration (H+) einer wässrigen Lösung, und damit ein Maß für den sauren oder basischen Charakter einer Lösung.

Ob eine Lösung sauer, neutral oder basisch ist, hängt also letztlich ab von der Konzentration ihrer Protonen (H+):

  • hohe H+-Ionen-Konzentration: pH-Wert < 7; saure (azide) Lösungen.
  • H+-Ionen- und OH- -Ionen-Konzentration gleich groß: pH-Wert = 7; neutrale Lösung.
  • niedrige H+-Ionen-Konzentration und hohe OH- -Ionen-Konzentration: pH-Wert > 7; basische (alkalische) Lösung.

Zur Darstellung des Säuregrads wird folgende pH-Skala verwendet:

  • pH-Werte zwischen 0 – 7: sauer (azide)
  • pH-Werte zwischen 7 – 8: neutral
  • pH-Werte zwischen 8 – 14: basisch (alkalisch)

Jeder Körperbereich des Menschen hat einen für ihn typischen pH-Wert. Der menschliche Stoffwechsel funktioniert reibungslos nur im Rahmen dieser „typischen“ pH-Werte:

  • Saure (azide) Reaktionen: Magensaft (pH-Werte zwischen 0,9 – 1,8), Speichel (pH-Werte zwischen 6,0 – 6,5), Harn (pH-Werte zwischen 5,0 – 7,0).
  • Basische (alkalische) Reaktionen: Pankreassaft (pH-Werte zwischen 8,5 – 9,0), Gallensaft (pH-Werte zwischen 8,0 – 8,5), Darmsaft (pH-Wert: 8,0), Blut (pH-Werte zwischen 7,35 – 7,5),

Hier eine Übersicht über unser Verdauungssystem und dessen typischerweise basische (alkalische) bzw. saure (azide) Millieus:

  • Mundhöhle: Sie ist die am dichtesten von Bakterien besiedelte Region und sollte einen leicht basischen pH-Wert haben. Auf diese Weise werden „gute“ Bakterien erhalten und „schlechte“ (z.B. Karies) bekämpft.
  • Magen: Er ist sauer – sehr sauer. Wäre er das nicht, könnten weder die mit der Nahrung aufgenommenen Bakterien, Pilze und etwaige andere Mikroorganismen abgetötet noch Eiweiße und andere Nahrungsbestandteile aufgeschlossen werden. Exakt aus diesem Grund sollte man das Trinken von basischem Wasser bei zeitgleicher Nahrungsaufnahme tunlichst vermeiden!
  • Dünndarm: Er ist basisch. Das basische Dünndarmmilieu ist notwendig, um die Nahrungsbestandteile optimal aufschließen zu können.
  • Dickdarm: Er ist leicht sauer. Der Grund: Über seine Schleimhaut werden basische Mineralien resorbiert.

Redoxpotentiale

Das ständige „hin und her“ zwischen sauer und basisch hat neben dem biochemischen, d.h. der Aufrechterhaltung jener Bedingungen unter denen chemische erfassbare Stoffe (z.B. Enzyme) funktionieren, einen bedeutsamen physikalischen Aspekt: Das Wechselspiel zwischen Säuren und Basen erzeugt bioelektrische Lebenskraft – ähnlich einer Batterie. Der dazugehörige Fachbegriff lautet: Redoxpotential.

Oxidations- und Reduktionsreaktionen (Redoxreaktionen) nehmen in biologischen Systemen eine zentrale Stellung ein. Die Reduktion und Oxidation von Molekülen und der damit verbundene Elektronen- und d.h. Energiefluss ist nicht nur Grundlage unseres menschlichen Daseins, sondern eines jeden Lebens überhaupt.

 

That’s it for today!

 

Beim nächsten Mal schauen wir uns die Puffersystem unserer Körpers an, denn schließlich ist schon jetzt klar: Der Körper muss über einige sehr effektive Mechanismen verfügen, um zu verhindern, dass ein bestimmtes Milieu zu sauer oder zu basisch wird. Diese Systeme stellen wir im folgenden Beitrag vor.

Erst darauf folgend werden wir praktisch und wenden uns der Ernährung zu. Stichwort „basische Ernährung – Sinn oder Unsinn?“.

 

Bis in zwei Wochen!
Carlos

Carlos

Carlos

Carlos trinkt seit vielen Jahren Grüne Smoothies und ist Blogger der ersten Stunde von GrüneSmoothies.de. Als ausgebildeter Ernährungs- und ganzheitlicher Gesundheitsberater sowie Personal Coach beschäftigt er sich intensiv mit den Zusammenhängen zwischen Ernährung und Gesundheit. Ihn zeichnet seine leidenschaftliche Skepsis und Neugierde aus, denn er will es meistens ganz genau wissen.
Carlos vertritt die Auffassung, dass „Ernährung die vielleicht wichtigste Variable zur Gesunderhaltung ist, auf die jeder Mensch am besten Einfluss nehmen kann.“ Grüne Smoothies sind für ihn ein wesentlicher Bestandteil einer gesunden Ernährung, weil sie den Körper natürlich, einfach und wirkungsvoll mit allem versorgen, was er für einen guten Start in den Tag braucht.

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3 Kommentare

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Michael Riedel

Der Speichel hat einen basischen pH- Wert. Kann also nicht zwischen 6,0 und 6,5 liegen. Sondern muss über 7 liegen.

Carlos

Hola Michael!

Hat er ja, liegt aber trotzdem im DURCHSCHNITT zwischen 6,0 und 6,8 bzw. 6,2 und 6,8.
Aber das sind nur Zahlen. Und wie gesagt: Durchschnittswerte, die zwar grundsätzlich stimmen, im Einzelfall aber wenig aussagen.

Speichel kann auch ausgesprochen sauer sein.
Aber dazu mehr beim übernächsten Mal.

Liebe Grüße!
Carlos

Lieber Carlos,

vielen herzlichen Dank für den obigen Artikel...ich freue mich schon auf den nächsten Teil!!

Wie viel Zeit sollte "idealerweise" zwischen der Aufnahme von basischen Mineralien, basischem Wasser usw. und der Nahrungsaufnahme liegen?

Liebe Grüße an Dich und besten Dank,

Claudia

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