Im Brennpunkt: Nitrat, Nitrit und Nitrosamine 2

Eingestellt von am 14.03.2013
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Aufgrund des immensen Feedbacks – und der glücklicherweise nur noch zum Teil vorhandenen Angst und Verwirrung – hier ein kurzer und knapper Ergänzungstext, der nicht jede Angst nehmen wird, aber (hoffentlich) in aller Deutlichkeit gerade rückt, worauf es wirklich ankommt!

Herzlich willkommen zum zweiten Teil unseres Spezials zum Thema „Nitrat“! Zum ersten Teil geht’s hier!

 

Die Sache mit der Wissenschaftlichkeit

Was man (noch) glauben kann

Schon wieder.

In regelmäßigen Abständen, also immer dann wenn es um „Wahrheit“ und „Objektivität“ geht, darum ob bestimmte Zahlen, Werte und Fakten einzuhalten sind (oder eben nicht) … dann, ja dann beginnt die große Verwirrung.

Zumindest bei einigen unter Euch.

Die Einen haben schlicht „Angst um Ihr Baby“, was mehr als nachvollziehbar ist, die Anderen wissen schlicht nicht mehr, was für Sie persönlich nun richtig oder falsch ist, denn nach genaustem nachrechnen, ergibt sich folgendes fatales Bild: Die Nitratwerte erscheinen zu hoch!

 

Worauf es anscheinend ankommt

Nochmals und in aller Deutlichkeit: Nitrat selbst ist vollkommen unbedenklich. 

Bedenklich sind die „Derivate“, sprich; Nitrit und Nitrosamine die aus Nitrat entstehen können, insofern folgende Bedingungen zwingend vorliegen. Übrigens: Genau diesen Bedingungen wird durch den regelmäßigen Genuss grüner Smoothies sehr erfolgreich vorgebeugt!

Zur Nitrosaminbildung im menschlichen Organismus kommt es durch

  • Bakterien,
  • Nitrit im Speichel, das im Magen Nitrosamine bildet,
  • zeitgleiches Aufeinandertreffen von Aminen (konzentrierten Eiweißen) und saurem Milieu (Magen).

 

Der letzte Punkt ist der eigentlich entscheidende. Darum gilt: Haltet Euch an unser Reinheitsgebot und „gut ist“!

Alle Anderen lesen jetzt weiter. Es kommt nämlich noch besser!

 

Worauf es wirklich ankommt

Wie gesagt: Nitrat ist vollkommen ungefährlich, gefährlich ist lediglich sein Umwandlung zu Nitrosaminen.

Und jetzt kommt’s:

Nitrat aus grünem Blattgemüse ist wenig bedenklich, da seine Umwandlung zu Nitrosaminen im Körper durch die Nahrungsmatrix „gepuffert“, sprich: verhindert wird. Nahrungsmatrix heißt hier: die im Pflanzengrün ebenfalls enthaltenen antioxidativ wirkenden Nährstoffe wie Vitamin C, Vitamin E, Beta-Karotin und Flavonoide wirken der Umwandlung in das potenziell gefährliche Nitrosamin erfolgreich entgegen.

Das übrigens ist bei allen anderen Quellen nicht so, sprich: bei allen gepökelten Fleisch- und Wurstwaren wie Rohschinken, Rohwurst, Mettwurst, Bierschinken, Blutwurst, Fleischkäse usw.. Auch Schnittkäse darf aus Haltbarkeitsgrünen Nitrat enthalten!

Gut zu wissen: Mithilfe von Pökelstoffen werden etwa 90% der in Deutschland erzeugten Fleisch- und Wurstwaren hergestellt! Die Gründe: Haltbarkeit, antimikrobielle Wirkung, ansprechenderes Aussehen (Rotfärbung).

Während des Pökelvorgangs, aber auch beim Grillen und Backen von gepökeltem Fleisch entstehen Nitrosamine schon in der Nahrung selbst, also nicht erst durch Umwandlung im Körper …

Pökeln wiederum zerstört die Nahrungsmatrix, wenn Ihr so wollt: den natürlichen „Schutzmantel“ – vor allem B-Vitamine und Mineralstoffe gehen verloren.

Darum die Empfehlung:

  • gepökelte Fleischwaren seltener verzehren,
  • gepökelte Fleischwaren nicht zum Grillen oder Braten verwenden
  • reichlich grüne Smoothies genießen!

 

Die Studienlage

Es ist eine „Krux“ mit der Wissenschaft, vor allem, aber weitem nicht nur: der Ernährungswissenschaft. Ein weiser Mann sagte dazu: (Ernährungs-)Wissenschaft steht immer auf dem letzten Stand des Irrtums.

Ohne jetzt polemisch werden zu wollen (was ich soeben wurde …): Auch die Diskussion um Nitrat, Nitrit und Nitrosamine ist gekennzeichnet von einem grundsätzlich fehlerhaften systemimmanenten wissenschaftlichen Ansatz, der zum Scheitern geradezu geboren wurde …

 

Das Problem

Alle Studien, in denen sich Nitrosamine ale krebserregend erwiesen haben, sind (leider) an Tieren durchgeführt worden. Dagegen konnte bisher in noch keiner Studie nachgewiesen werden, dass auch nitratreiches Gemüses wie Rucola, Radicchio oder Rote Bete das Krebsrisiko tatsächlich erhöht!

Im Gegenteil.

In neuesten Studien am Menschen wurde nachgewiesen, dass nitratreiches Gemüse die Durchblutung des Gehirns verbessern kann. Grüne Smoothies wären in diesem Fall gerade wegen ihres Nitratgehalts blutdrucksenkend und damit ein natürliches Hilfsmittel gegen Herz-Kreislauf- und Demenzerkrankungen.

Es geht noch weiter.

Ich zitiere aus einem Artikel der Süddeutschen Zeitung: „Offenbar hat Nitrat darüber hinaus Vorzüge, die bislang nur der Comicliteratur zu entnehmen waren: Es kann nach Art von Popeye die Muskelkraft stärken, wenn man dem Team um Eddie Weitzberg vom Karolinska-Institut glaubt. Die Forscher haben 14 Testpersonen aufs Fahrrad gesetzt. Sieben von ihnen hatten zuvor drei Tage lang einen Saft getrunken, der etwa so viel Nitrat enthielt wie eine große Portion Spinat. Tatsächlich traten diese sieben stärker in die Pedale […]. Offenbar waren ihre Muskeln leistungsfähiger, wie Gewebeproben zeigten, die die Forscher ihnen aus dem Oberschenkel schnitten. Demnach arbeiteten die Mitochondrien, die Energielieferanten der Zellen, mit Nitrat effizienter. Die Entdeckung zeige einmal mehr, dass Nitrate ihren schlechten Ruf nicht verdient haben, so Weitzberg.“

Abschließend – und ebenfalls aus diesem Artikel – folgendes Zitat: „Die Angst vor Nitrat müsse endlich perdu sein, meint auch die Präventionsforscherin Eva Frei vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Selbst die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit kommt in ihrer neuesten Stellungnahme zu dem Schluss, es sei ‚unwahrscheinlich, dass Nitrat aus Gemüse zu merklichen Gesundheitsrisiken führt. Dagegen überwiegen die nützlichen Effekte.’“

Hier geht’s zur Quelle. (Danke Helmut!)

 

Entwarnung auch für Muttis

Folgende Frage (s. Kommentare) wurde uns von einer besorgten Mutter gestellt: “Ich bin Mama eines zwei Monate alten Babys, das vollgestillt wird. Nun ist Nitrit wohl Auslöser der Säuglingsblausucht. Ich habe jetzt aufgehört grüne Smoothies zu trinken, weil ich sehr unsicher bin, ob ich damit nicht meinem Kind schade …“

Die Antwort von Christian Opitz:

Säuglingsblausucht wurde bis in die 60er Jahre verursacht bei nicht-gestillten Babys, deren Nahrung mit nitratreichem Wasser zubereitet wurde. Ein Baby hat weniger Magensäure, daher kann dort Nitrat leichter in Nitrit umgewandelt werden, was dann Hämoglobin blockiert und den Sauerstofftransport beeinträchtigt.

Seit es Nitrat-Grenzwerte in Trinkwasser und Babynahrung gibt, werden keine Fälle von Säuglingsblausucht mehr registriert.

Schwerwiegende Fälle sind selbst bei nicht-gestillten Babies nur sehr selten aufgetreten!

Und: Bei gestillten Babys gab’s das sowieso noch nie!

 

Was also tun?

Ganz sicher keine Grenzwerte zusammenrechnen, um sich infolgedessen verrückt machen lassen. Im Gegenteil: Seid beruhigt, genießt Euren grünen Smoothie und traut eurem Körper!

Denn wer Nitratwerte zusammenrechnet nimmt folgende Denkfehler zwingend in Kauf:

  1. Er berechnet die Werte der falschen Substanz (Nitrat ist nicht gefährlich).
  2. Er verlässt sich auf Durchschnittswerte (Grenzwerte), die im individuellen Fall aussagelos sind.
  3. Er unterscheidet nicht zwischen Nitraten aus Pflanzengrün (potenziell ungefährlich) und tierischen Produkten (potenziell gefährlich).
  4. Er klammert den individuellen, d.h. persönlichen Gesundheitszustand aus (dieser allein entscheidet, wieviel Nitrosamin letztlich gebildet wird).
  5. Er verlässt ich überholte, ausgesprochen widersprüchliche wissenschaftliche Thesen.

 

Und damit beschließen wir den zweiten, vertiefenden Teil zu unserem Spezial „Nitrat“.

Liebe Grüße!

Carlos

Carlos

Carlos

Carlos trinkt seit vielen Jahren Grüne Smoothies und ist Blogger der ersten Stunde von GrüneSmoothies.de. Als ausgebildeter Ernährungs- und ganzheitlicher Gesundheitsberater sowie Personal Coach beschäftigt er sich intensiv mit den Zusammenhängen zwischen Ernährung und Gesundheit. Ihn zeichnet seine leidenschaftliche Skepsis und Neugierde aus, denn er will es meistens ganz genau wissen.
Carlos vertritt die Auffassung, dass „Ernährung die vielleicht wichtigste Variable zur Gesunderhaltung ist, auf die jeder Mensch am besten Einfluss nehmen kann.“ Grüne Smoothies sind für ihn ein wesentlicher Bestandteil einer gesunden Ernährung, weil sie den Körper natürlich, einfach und wirkungsvoll mit allem versorgen, was er für einen guten Start in den Tag braucht.

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12 Kommentare

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Hallo-wie sieht es aus mit chiasamen oder hanfmehl oder süsslupinenmehl in smoothies aus geht oder oder no?

Carlos

Hi Ilkan!

Im Grünen Smoothie gehen: Chiasamen (ab und an). Der Rest eher nicht - zumindest nicht im Grünen Smoothie. Dafür in jeden anderen!

Liebe Grüße!
Carlos

Hallo Carlos ,

Wir würde gern mein Körper richtig wirkungsvoll entgiften..Ich habe gelesen ,das der Körper die ganzen guten Sachen wie Enzyme ,Vitamine,Chlorophyll u.s.w gar nicht aufnehmen kann wenn der Körper mit Schadstoffen belastet ist.

Ich hälst du von Biologo Detox?

Wär schön wenn ihr über Entgiftung mal was schreiben könntet .

Danke

LG. Noreen

Carlos

Hi Noreen!

Es wird ganz bald was über Entgiftung kommen.

Ansonsten ist hier noch immer folgendes das Beste (wenn Du Zeit und Muße hast)

1 Woche Fasten mit Ölziehen (rohe gesättigte Fette), grünen Smoothies oder optional: grünen Säften, Tees und Bewegung.
Ein paar Kräuter und NE wie z.B. rückstandskontrolliertes(!) Zeolith helfen zusätzlich.

Liebe Grüße!
Carlos

Hallo Carlos. Ich möchte Wildkräuter im Smoothie verarbeiten und habe Zugang zu Giersch, Brennessel, Brombeer usw. in einer von Schadstoffen unbelasteten Gegend. Allerdings finde ich eine große Anzahl von Blättern, an deren Rückseite Larven und Eier von Insekten kleben. Wie können die Ablagerungen entfernt werden? Jedes Blatt zu waschen scheint mir zu mühsam. Grüße aus Graz, Rudolf

Carlos

Hi Rudolf!

Also ich mach's grundsätzlich mit Wasser und Finger. Was dann noch dranbleibt, bleibt halt dran. Der Rest übernimmt Deine Magensäure.
Wertvolle Eiweißquelle 😉

Liebe Grüße!
Carlos

Hallo Carlos!

Wie steht denn die Sache mit dem Nitrat, wenn mein 7-Monate alter Säugling gerne grüne Smoothies kostet. Vielleicht trinkt er auch bald mehr davon. Sollte ich das lieber vermeiden? Ich denke dabei an die geringe Magensäure wie im Artikel oben erwähnt im Zusammenhang mit der Blausucht.

Grüße, Lili

Carlos

Hallo Lilli,

Dazu kann ich dir aus der Entfernung schlecht raten. Das Baby trinkt ja sicherlich keine 1L sondern sehr deutlich weniger.
Ich denke Du kannst ihm problemlos ein bisschen geben, das geht. Und vor allem schau, wie Dein Kind darauf reagiert.

Habe schon Babies gesehen, die waren echt scharf auf GS, andere aber auch gar nicht.

Liebe Grüße!
Carlos

Hallo Carlos, ich bin verwirrt! Habe ich doch grad 2 Bücher gelesen, wo Greensmoothie und Superfoods kombiniert werden, das heisst, immer noch 1 Löffel pflanzliches Eiweisss dazu Chlorella, Moringa, Reiskleie, Hanfpulver, Phytoplankton, Biloba,...

Geht denn das?

Grüsse Baba

Carlos

Hallo Barbara!

Man kann jederzeit GS und Superfoods (was immer das dann sein soll ...) durchaus kombinieren.
Wenn Du Wildkräuter verwendest ist das allerdings NCIHT nötig, denn superer wird's nicht!

Es geht um KONZENTRIERTES Eiweiß, also vorwiegend: Proteinpulver, Nüsse usw. und ja, AUCH: Chlorella, Spirulina usw.
Gegen Moringa ist nichts einzuwenden.

Und wie gesagt: Man kann grundsätzlich alles mischen, die Frage ist halt nur, ob es, z.B. im Zusammenhang mit Nitrosaminen, sinnvoll ist oder nicht. Pflanzliches Eiweiß ist in diesem Zusammenhang grundsätzlich NICHT sinnvoll. Ausnahmsweise ist dagegen aber ganz sicher nichts einzuwenden.

Ich kann leider auch nichts dafür, dass die meisten dieser Bücher von begeisterten „Laien“ usw. verfasst werden, die ganz einfach keinen blassen Schimmer haben (und auch nicht müssen), auf welche Spezialfälle man sonst noch so aufpassen muss.

Geh' einfach mal davon aus, dass ein grüner Smoothie wirklich KEINE weiteren Zutaten braucht, auch keine Superfoods, denn er ist wirklich KOMPLETT, genau so, wie er ist. Und das ist doch mal eine ausgesprochen GUTE Nachricht 🙂

AUSNAHMSWEISE geht ALLES.

Liebe Grüße!
Carlos

Hallo,

mich würde doch noch die Antwort auf die schon gestellte, aber noch nicht beantwortete Frage mit dem zeitlichen Abstand zwischen grünen Smoothies und konzentrierten Eiweißen interessieren. D.h., wie lange vor bzw. nach einem grünen Smoothie sollte ich keine Eiweiße zu mir nehmen, um die Bildung von Nitrosaminen im Magen auszuschliessen?

Grüße

Alina

Carlos

Hallo Alina!

Ganz einfach: Wenn Du wieder hungrig bist, hast du verdaut, dann kannst Du also eiweißhaltiges verzehren!

Liebe Grüße!
Carlos

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