Microgreens: Kraftquelle von der Fensterbank

Microgreen

Grüne Smoothies mit Microgreens im Winter. Frischer geht's nicht.

In den Wintermonaten ist die Auswahl an Blattgrün reduziert, es gibt nur wenige Wild­kräuter und manchmal sehne ich mich nach dem frischen zarten Grün des Frühjahrs im Grünen Smoothie. In diesem Fall sind Micro­greens angesagt. Das sind kleine grüne Keim­pflanzen, die Du so ziemlich aus allen Samen ziehen kannst, deren Pflanze bzw. Frucht essbar ist - u.a. Brokkoli, Rucola, Radieschen, Rote Beete oder auch Chia- und Amaranth. Das Tolle: Ähnlich wie Wild­kräuter sind Micro­greens voll­gepackt mit Nähr­stoffen, lassen sich aber relativ un­kompliziert zu Hause auf der Fenster­bank ziehen. Sie gedeihen innerhalb weniger Tage und verleihen dem Grünen Smoothie eine besondere Nuance. Einfach mit den anderen Zutaten im Hoch­leistungs­mixer mit­pürieren. Natürlich kannst Du Micro­greens auch zum geschmack­lichen und optischen Verfeinern von Salaten, Suppen oder Eintöpfen einsetzen.

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Microgreens Anleitung zum Selberziehen: Von der Saat zur grünen Pflanze:

  1. Ich beginne damit, die Saat für einige Stunden in einem Weckglas mit Wasser einzu­weichen. Manche Saaten (etwa Quinoa) vertragen nur ein paar Stunden, da sie sonst platzen. Für die meisten aber ist eine Nacht eine passende Dauer. Das Einweichen ist wie ein Kickstart. Es ist nicht unbedingt nötig, be­schleunigt aber den Keim­prozess und reduziert das Risiko, dass die Pflanzen im empfind­lichen Anfangs­stadium ver­trocknen.
  2. In eine Plastikschale (Baumarkt) setze ich kleine Anzucht­töpfe, in die Bio-Anzuchterde gefüllt wird. Da der Wohnraum zwar warm, aber selten luftig ist, besteht immer die Gefahr, dass die kleinen Pflanzen schimmeln. In dieser Plastik­schalen-Variante lässt sich Staunässe gut kontrol­lieren und über­schüssiges Wasser ab­schütten.
  3. Die eingeweichten Saaten werden auf die Erde gegeben und mit etwas weiterer Erde bestreut. Einmal angießen, eine Klarsicht­folie darüber und schon fängt es an zu sprießen. Es ist hilfreich, ein paar Schilder aufzu­stellen, damit man am Ende nicht den Rucola für einen Brokkoli hält
  4. Mit einer Sprühflasche werden die Pflanzen regel­mäßig gewässert, dass sie nicht aus­trocknen. Am besten stehen sie am Fenster, da sie Licht brauchen. Nun dauert es je nach Saatgut 1-10 Tage, bis sie anfangen zu wachsen. Hanf zum Beispiel keimte erst nach 10 Tagen. Geerntet werden kann, sobald sich mindestens zwei grüne Blättchen heraus­gebildet haben oder wenn die Neugierde zu groß wird.

Microgreens Vorbereitung: Saaten einge Stunden in Wasser einweichen

Anzuchttöpfe Ausstattung: Anzuchterde und Anzuchtstöpfe. Hier werden die Saaten "ausgesetzt".

Microgreens So schnell geht`s: 4 Tage junger Rucola - zweiblättrig und damit erntereif.

Microgreens Rote Akzente: Selbst aus Amaranth-Körnern lassen sich Micgrogreens züchten.

Microgreens aus Brokkoli-Samen nach einer Woche Besser beschriften: Brokkoli-Saat nach einer Woche.

Microgreen Appetitlich und mild: Die Blättchen der Chiasaat, ca. 10 Tage alt.

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Die Kleinen müssen an die frische Luft

Pflanzen gedeihen am besten in ihrem natür­lichen Umfeld. Ich versuche daher, die Pflanzen regel­mäßig ins direkte Sonnen­licht zu stellen, sofern die Tempera­turen über dem Gefrierpunkt liegen. Die Bildung von Chloro­phyll wird durch direktes Sonnen­licht ver­bessert und die Pflanzen werden so schön grün. Außerdem wird durch die frische Luft draußen der Schimmel­bildung vor­gebeugt. Wer diese Möglich­keit nicht hat, kann den Pflänzchen immer mal einen frischen Luftzug durch das geöffnete Fenster gönnen.
Da mich der Einfluss des Sonnenlichts auf die Bildung des Pflanzen­farb­stoffes Chlorophyll interes­sierte, habe ich eine kleine Testreihe gemacht, in der ich unter­sucht habe, wie Weizen­gras unter ver­schiedenen Be­dingungen gedeiht.

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Kleiner Exkurs Weizengras:

Weizen ist ein herrliches Microgreen voller Vital­stoffe und dabei eine recht unempfind­liche Pflanze, die ich in drei Varianten ange­pflanzt habe:

  1. Im Keimautomaten: Der Keimautomat bietet beste Voraus­setzungen - regel­mäßige Be­feuchtung, Luft­bewegung und somit keine Schimmel­bildung. Im Keim­automaten erhalten die Pflanzen aber nur wenig Licht.
  2. Auf der Fensterbank: Es gibt eine gewisse Licht­zufuhr und regel­mäßig Wasser, aller­dings herrscht da Wohnraum­klima.
  3. Im Freien: Der angekeimte Weizen wurde direkt auf den Erdboden ge­schüttet und nicht weiter versorgt.

Getreidegras 1. Weizengras im Keimautomaten

Getreidegras 2. Weizengras von der Fensterbank

Getreidegras 3. Frisches Freiland-Weizengras im Januar

Mich überraschten zwei Dinge: Erstens, wie wenig grün die Pflanzen im Keim­automaten wurden. Das Gras blieb bleich und selbst, als ich es nach einer Woche "aussetzte", wurde es nicht mehr so grün, wie in den Versuchen 2 und 3. Zweitens war ich erstaunt über die Kraft des Weizens, den ich im Januar bei Frost aussähte. Zunächst hatte der Freiland­weizen über Wochen keine Ver­änderung gezeigt. Nachdem es ein paar Tage Schnee in Berlin gab, vergass ich ihn sogar. Als der Schnee jedoch ge­schmolzen war, kam ein sattes, kraft­volles Grün zum Vorschein. Der Weizen auf Bild 3 ist circa 4 Wochen alt. Die Pflanzen auf Bild 2 lediglich eine Woche. Draussen hat der Wachstum zwar viel später begonnen, dafür sind die Halme deutlich dicker und robuster als die der Pflanzen aus der Innen­raumzucht. Die Pflanzen von der Fenster­bank gediehen prächtig und während der ersten Woche schimmel­frei. Nach zehn Tagen aller­dings war der Wurzel­bereich von Schimmel befallen. Dieses Problem ist die größte Heraus­forderung bei der Anzucht von Weizen­gras im Innenraum. Das beste Ergebnis gelingt, wenn man Weizen­gras im Innenraum vorzieht (2-3 Tage) und dann ins Freiland setzt. Damit es zügiger wächst, kann es nachts rein­geholt werden.

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Einsatzbereiche von Microgreens

Microgreens lassen sich viel­seitig verwenden, da sie intensiv schmecken und ein Hingucker sind. Mit den kleinen Keim­pflanzen können viele Gerichte geschmack­lich und optisch ver­feinert werden. Ob auf Salaten, Suppen oder Beilagen - die kleinen Grün­pflanzen bereichern jede herzhafte Mahlzeit. Natürlich probiere ich auch, wie sie sich im Grünen Smoothie machen. Ich nehme meist 1-2 Esslöffel Micro­greens und gebe sie zum übrigen Grün dazu. Da viele Micro­greens etwas schärfer sind, würde ich sie nicht als einzige Grünzutat verwenden. Die Keim­pflanzen von Erbsen, Sonnen­blumen oder milden Blatt­salaten wie Postelein oder Feldsalat hingegen sind sehr mild und können in beliebigen Mengen in den Smoothie gegeben werden. Sie lassen sich auch gute als Topping verwenden und regen damit zum Kauen beim Smoothie­genuss an.

Keimpflanzen als Topping Besondere Nährstoffpower: Microgreens im und auf dem Grünen Smoothie.

Lasst eurer Fantasie freien Lauf und experi­mentiert mit allem, was essbare grüne Blätter hervor­bringt. Es tut gut, in frisches knackiges Grün zu beißen und sich den Frühling in die Küche zu holen. Viel Freude mit diesen kleinen, nährstoff­reichen Geschöpfen.

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green salad

Svenja von GrüneSmoothies.de

Grüne Smoothies sind seit 2009 mein Müsli. Sie sind ins­pirierend, köstlich und sprechen für sich. Sie passen in unser Leben mit drei Kindern und viel Freude an der kreativen gesunden Küche. Sie machen Spaß. Vom Grünen Smoothie ins­piriert, vereine ich zwei Leiden­schaften im Beruf: Das Foto­grafieren und die Beschäf­tigung mit Lebens­mitteln.

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17 | Kommentar(e)

23.03.2018
Annett
Vielen Dank für den schönen Artikel. Vielleicht sollte ich es auch noch mal mit Erde probieren, wenn es wärmer wird. Ich ziehe immer in Gläsern und habe auch gerade festgestellt wieviel grüner die Sprossen werden, wenn ich sie ab zu zu raus und in die Sonne stelle.
Liebe Grüße Annett
23.03.2018
Christine
Genau, das ist auch meine Überlegungen...wie kurz schneidet man ab? Wächst es danach daraus neu nach oder muss ich die Ausgekeimen Saanen entfernen und neu säen? Wenn nicht könnte ich es in einem Blumenkasten, der auf dem Balkonboden zwar im Schatten aber hell steht, machen?
Lieben Dank schonmal, Tine
23.03.2018
Carla von GrüneSmoothies.de
Mit Weizengras haben wir die Erfahrung gemacht, dass es wieder nachwächst. Ob es dann genauso nährstoffreich wie nach dem 1. Abschnitt ist, wissen wir nicht. Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Wir haben die anderen Saaten immer nur 1x verwendet - wir haben sie allerdings auch in der Wohnung gezogen. Ich würde sagen: ausprobieren und berichten :)
07.07.2017
Martha
Wow, TOLL! Vielen Dank für diesen sehr interessanter Artikel und JA Ich will auch!
Diese Anbauform ist mein nächstes Projekt.
Eine Frage:
Kann man von den Sonnenblumen und Erbsen auch die Stengel essen oder nur die Blätter? Vor ca. 10 Jahren habe ich mal Sprossen und Grün auf der Fensterbank gezogen. Ich erinnere mich, dass ich Sonnenblumengrün ziehen wollte, dann jedoch unsicher wurde wegen des richtigen Erntezeitpunktes, denn meine Sonnenblumen waren nach ca. 14 Tagen bereits sehr weit entwickelt, mit dicken Stengeln und behaart. Mir wurde beim Essen etwas mulmig.
Liebe Grüße, Martha
10.07.2017
Carla von GrüneSmoothies.de
Wir ernten die Saaten, sobald sich indestens zwei grüne Blättchen herausgebildet haben. Dann hast Du auch noch keine dicken Stängel. Einfach ausprobieren. Lieben Gruß, Carla
21.05.2016
Andreas
wenn schon dann nimm so ein Systemanbauset dann hast du nämlich täglich Nachschub vom Grün- es funktioniert auch tadellos für Dinkelgrassaft!
Und auf jeden Fall das Keimglas zum vorkeimen mitbestellen!! Das ist einfach nur genial.

Gruß Andreas
23.05.2016
Nora von GrüneSmoothies.de
Danke für den Hinweis. Das müssen wir auch mal ausprobieren...
25.05.2015
Andrea
Hallo Svenja,
seit einiger Zeit überlege ich, ob man nicht im Winter auf der Fensterbank Brennnessel-, Spitzwegerich- und Guter Heinrich-Mikrogrün züchten könnte. Die Samen lassen sich ja gut sammeln im Sommer. Da kam mir der Artikel von Dir gerade zur rechten Zeit. Das werde ich probieren. Herzlichen Danke für die Anregung.
Andrea
27.05.2015
Svenja
Liebe Andrea,
das ist auch ein super Idee, frische Wildkräuter von der Fensterbank, daran habe ich noch nicht gedacht. Vielen Dank für den Tipp und gutes Gelingen.
Svenja
06.03.2015
Miriam
Hallo Svenja,
finde deinen Beitrag echt toll und interessant! Hätte eine Frage dazu! Würde gerne versuchen Weizengras auf der Fensterbank mit gelegentlichem rausstellen zu ziehen! Besser mit oder ohne Erde? Oder spielt das keine Rolle!

Liebe Grüße
06.03.2015
Svenja
Liebe Miriam.
ich habe Weizengras immer auf Erde gezogen, weil ich mich da an der Natur orientiert habe. Es gibt allerdings auch sog. Pflanzvlies. Offenbar gibt es da Vorteile bezüglich möglicher Schimmelbildung. Gerade habe ich entdeckt, dass es ein Weizengrass-Sieb gibt, das könnte auch klappen. Guck mal hier: www.eschenfelder.de.
Viel Erfolg beim Ausprobieren und meld Dich gern, wenn Du von Deiner Erfahrung berichten magst.
Liebe Grüße - Svenja
26.03.2018
Andrea
Hallo, ich habe vor ein paar Wochen das WEizengrassieb von Eschenfelder gekauft und schon erfolgreich Weizengras gezogen. Es ist zwar sehr teuer in der Anschaffung. Lohnt es aber alle male, denn Schimmelbildung wird durch das Spülen der Wurzeln unterdrückt, zudem ist es auch eine sehr saubere Sache.
27.03.2018
Carla von GrüneSmoothies.de
Das klingt super. Habe auch schon überlegt, mit ein solches Sieb zuzulegen. Danke für Dein Feedback :) Carla
10.08.2016
Sarah
Mit der Schimmelbildung habe ich auch öfters Probleme, wenn ich Weizengras anbauen. Letztens habe ich diese Seite hier gefunden, wie man Schimmel etwas vorbeugen kann. Da wird auch beschrieben wie der Anbau ohne Erde funktioniert. Vielleicht hilft es ja.

Liebe Grüße
12.08.2016
Anne von GrüneSmoothies.de
Liebe Sarah,

vielen lieben Dank für Deinen guten Tipp.

Herzliche Grüße,
Anne
12.08.2016
Andreas
Schimmel wird sich da vermutlich nie ganz vermeiden lassen.. Ist auch stark Wetterabhängig (Hoch oder Tiefdruck..) aber wenn, ist nur der Wurzelbereich betroffen so dass es dem Abschnitt nichts ausmacht. (Is halt Natur)
Zum Anbau in der Eschenfelder Siebschale kann ich nur sagen, dass ich das auch probiert habe aber nur einmal.. Die Wurzeln wachsen so fest da rein - und die Ausbeute ist für den Aufwand und Preis doch eher gering.
LG
15.08.2016
Anne von GrüneSmoothies.de
Lieber Andreas,
danke Dir für Deine Rückmeldung und Deinen hilfreichen Erfahrungsaustausch. Ja, durch die benötigte permanente Feuchtigkeit am Boden ist die Schimmelbildung tatsächlich schwer zu vermeiden...
Weiterhin viel Freude beim Anbauen wünscht Dir
Anne