Trinkwasser – Teil 2

Eingestellt von am 30.05.2013
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Wie bereits angekündigt, heute wird es in erster Linie um die konkrete Situation in Deutschland gehen. Vor allem die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) mit all’ ihren Facetten wird im Mittelpunkt stehen …

Wassernutzung in Deutschland

Der durchschnittliche Verbrauch

Fangen wir mit einer durchaus bemerkenswerten Zahl an: 121 Liter Trinkwasser verbraucht der Deutsche durchschnittlich pro Tag. Tendenz: weiter steigend.

Von ein paar Jahren waren es weniger: 113 Liter.

Nur ca. 5 Liter werden davon für Kochen und Getränke verwendet. Der Großteil, ca. 80 Liter, beanspruchen Toilette und Hygiene (Baden, Duschen) weitere 30 Liter Geschirrspülen, Wäschewaschen sowie Putzen und Reinigen.

Um die Größenordnungen des soeben Gesagten zu verstehen, hier zwei weitere Zahlen zu privat und wirtschaftlich genutztem Wasser: Nur 14 % des Wasserverbrauchs in Deutschland geht auf private Haushalte zurück. Den Großteil beanspruchen Landwirtschaft und Industrie, wobei der landwirtschaftliche Anteil mit 3 % vergleichsweise verschwindend wirkt, im Vergleich zum industriellen Anteil, der bei 83% liegt!

Trinkwasser-Verordnung: Grundsätzliches

Um den Wasser-, vor allem den Trinkwasserbedarf zu decken, wird Grund- oder Oberflächenwasser mittels chemischer und physikalischer Aufbereitungsverfahren gereinigt.

Die Aufbereitungsverfahren richten sich nach den im Rohwasser enthaltenen und zu entfernenden Stoffen: Insbesondere Verfahren zur Filterung, Enteisenung und Entmanganung, Entsäuerung, Entgasung, Entcarbonisierung und Desinfektion werden sehr häufig angewendet.

Die Qualität des Trinkwassers wird in Deutschland in der „Trinkwasserverordnung“ (TrinkwV) geregelt. Diese besagt u.a.:

  • Trinkwasser muss frei von Krankheitserregern (Typhus, Paratyphus, Cholera und Salmonellen) sein,
  • Trinkwasser muss keimarm sein. Es darf damit höchstens 100 Keime / ml Wasser beinhalten. Coli-Bakterien dienen dabei als „Indikator“. Da sie sowohl in der menschlichen als auch tierischen Darmflora vorkommen, weist ihr Vorhandensein auf eine Verunreinigung des Wassers hin. In 100 ml Wasser dürfen Coli-Bakterien nicht nachzuweisen sein. Trinkwasser muss durch künstliche Filter und Zusatz von Desinfektionsmittel (Chlor- und Ozonverfahren) entkeimt werden. Das gilt immer dann, wenn es aus Oberflächen- und nicht aus Grund- oder Quellwasser stammt.
  • Trinkwasser muss frei von gesundheitsschädlichen Stoffen sein, z.B. Blei, Arsen, Chrom und Nitrat.
  • Trinkwasser sollte klar, farblos, ohne Geruch und ohne fremdartigen Geschmack sein,
  • Trinkwasser sollte einen mittleren Härtegrad aufweisen.

Noch ein Wort zum „Härtegrad“: Die Härte des Wassers ist abhängig vom Gestein der Landschaft, der Regenhäufigkeit und der Jahreszeit.

Die Gesamthärte ergibt sich aus Carbonat- und Nichtcarbonathärte. Carbonathärte wird auch als „vorübergehende Härte“ bezeichnet, da sie – hervorgerufen durch Calciumhydrogencarbonat und Magnesiumhydrogencarbonat, beim Erhitzen (Kochen) verschwindet – genauer: es bilden sich unter Abscheidung von unlöslichen Carbonaten Kesselsteine!

Nichtcarbonathärte bleibt grundsätzlich erhalten.

Hartes Wasser wird von vielen Menschen als frischer wahrgenommen, weiches Wasser als fader.

Sehr hartes Wasser ist als Trinkwasser tendenziell ungeeignet: Aromastoffe aus Kaffee- oder Teeblätter werden nur schwer herausgelöst und auch das Kochen von Hülsenfrüchten gestaltet sich schwierig: sie quellen schlechter auf und werden kaum weich.

Trinkwasser-Verordnung: (bio-)chemische Parameter unter der Lupe

Deutsches Trinkwasser ist das wohl meist geprüfte Lebensmittel in Deutschland.

Soweit. So gut.

Ein detaillierter Blick jedoch ist nötig, um zu beurteilen, was „meist geprüft“ konkret bedeutet, was also wirklich kontrolliert wird und wie dies die Gesamtqualität des deutschen Trinkwassers beeinflusst.

Und genau diese Bewertung wollen wir nun vornehmen.

Vorweg: Die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung werden durch die Wasserversorger im Rahmen ständiger Wasseranalysen überprüft. Die Wasserversorger sind gesetzlich verpflichtet die Grenzwerte einzuhalten. Der Geltungsbereich der Trinkwasserverordnung erstreckt sich ausschließlich auf das Wassernetz der deutschen Wasserversorger. Dieses Netz „endet“ an der Übergabestelle, dem Punkt, an dem das Wasser vom Wassernetz des Versorgers in das jeweilige Haus eingespeist wird. An dieser Stelle endet automatisch auch die Verantwortungspflicht des Wasserversorgers!

Nur wenn bei einem Wassertest vor der Übergabestelle erhöhte Grenzwerte gemäß der Trinkwasserverordnung gemessen werden, hat der betreffende Wasserversorger die Verantwortung zu tragen. In jedem anderen Fall, also nach Einspeisung des Wassers in den privaten Haushalt, trägt die betreffende Privatperson die Verantwortung. Immer vorausgesetzt die Person hat ein entsprechendes Interesse!

 

Abgesehen davon darf und muss die grundsätzliche Frage nach der Qualität der deutschen Trinkwasserverordnung gestellt werden. Die Frage lautet: Ist die derzeitige Verfassung der deutschen Trinkwasserverordnung geeignet, um gesundheitlich unbedenkliches Trinkwasser zu garantieren?

Ein Blick auf die Liste derzeitiger Wasserschadstoffe gibt Antwort:

  • Blei: Prof. Herrmann Dieter (Umweltbundesamt) hält Blei aus Installationsmaterialien – neben Nitrat aus der Landwirtschaft – für das schwerstwiegende Problem in Bezug auf die Schadstoffbelastung von Wasser. Ein Gesundheitsrisiko durch chronische Belastung besteht dabei vor allem in Häusern mit Bleiinstallationen. Hier werden ununterbrochen kleinste Bleimengen abgegeben. Die giftige und damit gesundheitsschädliche Wirkung von Blei ist medizinisch zweifelsfrei bewiesen: Es kann zu Blutbildungsstörungen, Bluthochdruck, Störungen des Immunsystems, Leber- und Nierenschäden uvm. kommen. Der derzeitige Grenzwert liegt bei 0,100 mg / l (2013).
  • Kupfer: Kupfer ist zu einem ebenso beliebten wie bewährten Rohrmaterial geworden. Der Grund: Kupferrohre sind leicht zu verlegen und zugleich preisgünstig. Probleme im Zusammenhang mit Kupferleitungen werden durch die Abgabe von Kupferionen verursacht, die insbesondere bei saurem Wasser zu Kupferkonzentration bis zu 17.400 pg / l beitragen. Ein derart belastetes Wasser sollte niemals zur Zubereitung von Säuglingsnahrung genutzt werden! Dies überfordert die Ausscheidungskapazität des Säuglings massiv. Der derzeitige Grenzwert liegt bei 2 mg / l.
  • Asbestfasern: Asbest gilt als eine stark karzinogen wirkende, d.h. krebsauslösende Substanz. Asbest findet man in vielen alten Haupttrinkwasserleitungen. Haushalte, die mit Wasser aus Asbestzementrohren versorgt werden, haben eine ca. 300-fache Raumluftbelastung mit Asbestfasern, im Vergleich zu Haushalte, deren Wasser aus anderen Rohrmaterialien stammt. Als ebenfalls krebserregend gelten Rückstände aus vielen geteerten Trinkwasserleitungen, die in den 50er und 60er Jahren verlegt wurden – und von einigen Kreisen, Städten und Gemeinden auch heute noch genutzt werden.
  • Hormonähnlich wirkende Substanzen: Substanzen, deren Wirkungen denen weiblicher Geschlechtshormone (Östrogene) entsprechen (Hormone, Phtalate, Pestizide, PCB usw.) werden von den Klär- und Wasserwerken nur unzureichend herausgefiltert. Die gesundheitlichen Folgen für Mensch und Tier sind kaum übersehbar und schon gar nicht mittels Ursache-Wirkungszusammenhang nachprüfbar.
  • Arzneimittel: Gleiches gilt für die interdependenten Wirkungszusammenhänge jener Substanzen, die in Deutschland als Arznei- bzw. Naturheilmittel verkauft werden. Viele dieser Substanzen (ca. 70.000) sind „hochaktiv“, d.h. sie können nur in Apotheken und nur auf Rezept herausgegeben werden. Daneben existieren noch einmal doppelt so viele (ca. 150.000) frei verkäufliche Naturheilmittel … Kein Mensch, kein Experte, kein Wissenschaftler weiß, welche chemischen Reaktionsmöglichkeiten hieraus entstehen – und zwar zwischen den Medikamentenrückständen untereinander und deren unüberschaubare Auswirkungen auf unser Grundwasser. Udo Rohweder, Mitarbeiter der Hamburger Umweltbehörde, sagt dazu: „Immer wenn man hinter Kläranlagen in Flüssen und Bächen nachschaut, findet man das gleiche, nämlich blutfettsenkende Wirkstoffe … und deren Abbauprodukte, dazu Schmerzmittel… und Betablocker…“ Dies wird auch von Thomar Ternes, einem Wissenschaftler vom Forschungsinstitut der Wasserwirtschaft ESWE in Wiesbaden bestätigt.
  • Spritz- und Düngemittel: Pestizide, Fungizide und Herbizide kommen aus der Landwirtschaft und aus (industriellen) Abwässern ins Grundwasser. In Deutschland sind mehrere Hundert Spritz- und Düngemitteln im Einsatz. Sehr viele davon sind der Gesundheit alles andere als förderlich …
  • Nitrat und Nitrit: Beide Substanzen gelangen durch zu starke Gülledüngung oder durch alte Kläranlagen in Wasser. Auch aus Flüssen stammendes Wasser kann Schadstoffe aus Kläranlagen oder Industrieeinleitungen enthalten. Für Nitrat gelten 50 mg / l, für Nitrit 0,5 mg / l als Grenzwert.
  • Antibiotika und Anabolika: Sie stammen in erster Linie aus der industriellen Massentierhaltung.
  • Tenside: Sie stammen ursprünglich aus Farb- und Waschmitteln.
  • Trihalomethane und Chlor: Sie entstehen als Reaktionsprodukte der Chlorierung. Unter Chlorierung wird ein Prozess der Desinfektion verstanden, der Chlor als Desinfektionsmittel nutzt. Chlor kann im Wasser zusammen mit organischen Substanzen krebserregende Trihalomethane bilden.

Diese – noch immer unvollständige Aufzählung – soll vor allem dazu dienen, klar zu machen, dass wirklich sauberes Trinkwasser eine Illusion ist! Zugleich soll diese Auflistung sensibilisieren, denn viel zu vielen Menschen ist nicht klar, dass ein sehr guter Wasserfilter mittlerweile in jeden Haushalt gehört – völlig unabhängig von der jeweils geltenden Grenzwertfestlegung.

Die gesetzlich definierten Grenzwerte der gerade gültigen Trinkwasserverordnung sind nicht in der Lage, die Komplexität aller denkbaren und undenkbaren (!) chemischen Parametern realitätsgetreu abzubilden. Das ist weder zeitlich noch technisch möglich – und aufgrund finanzieller Erwägungen auch gar nicht gewollt!

Derzeit können ca. 2.000 bekannte Stoffe im Wasser gelöst sein. Demgegenüber sieht die  deutsche Trinkwasserverordnung eine Kontrolle von ca. 40 Stoffen vor! (Die Mineral- und Tafelwasserverordnung verlangt die Kontrolle von nur 10 Stoffen!) Die Zahl der regelmäßig nicht kontrollierten Stoffe und Stoffgemische beläuft sich demnach auf ca. 1.960!

Trinkwasser-Verordnung: (bio-)physikalische Parameter unter der Lupe

Wer die Artikelreihe zum Thema Wasser aufmerksam verfolgt hat, weiß, dass Wasser mehr ist als eine rein biochemisch definierbare Substanz.

Genau das jedoch nimmt die deutsche Trinkwasserverordnung an und fokussiert folgerichtig ausschließlich auf die biochemischen Parameter … auf allerdings nur 40 von über 2.000 Parametern …

Ein im biochemischen Sinne „reines“ Wasser hat mit einem frischen Quellwasser jedoch kaum noch etwas gemein. Vor allem das Pumpen mit hohem Druck durch kilometerlange Rohrleitungsnetze verändert das Wasser nicht nur chemisch, sondern vor allem biophysikalisch.

Diese „Art der Fortbewegung“ ist künstlich erzeugt, also menschgemacht. Unter natürlichen Bedingungen fließt Wasser niemals unter hohem Druck immer schnurstracks geradeaus – ganz im Gegenteil: es mäandert, d.h. es schraubt sich spiralförmig vorwärts.

In den folgenden Artikel werden wir sehen, was man gegen diese Art der Veränderung biophysikalischer Parameter tun kann. Fest steht schon jetzt: man kann etwas dagegen tun!

Fazit: Was folgt aus dem Gesagten?

Zunächst einmal sollte nach der Lektüre dieses Artikels klar sein, dass wirklich jeder private Haushalt von einem sehr guten Wasserfiltersystem profitieren wird.

Der Grund: Die im Rahmen der deutschen Trinkwasserverordnung geregelten Güteanforderungen stoßen an Grenzen. Wenn, wie derzeit üblich, auf lediglich 35 gesundheitsgefährdende Stoffe getestet wird, obwohl (europaweit) weit über 100.000 synthetische Chemikalien im Umlauf sind, scheint es um die Qualität des deutschen Trinkwassers deutlich schlechter bestellt als vielfach öffentlich kommuniziert.

Und genau das ist eine Hauptbotschaft dieses Artikels: Macht Euch klar, dass das, was aus Euren Leitungen kommt, alles andere als „rein“ ist – und zwar weder im (engen) biochemischen, noch im (weiten) biophysikalischen Sinne!

Hinzu kommt: Weltweit gibt es noch keine Trinkwasserverordnung, die Medikamentenrückstände berücksichtigt!

 

Im nächsten Beitrag der Reihe steigen wir (erneut) einen Schritt tiefer: Es wird um die einzelnen Wassertypen und deren charakteristische Merkmale gehen: Im Mittelpunkt werden Grundwasser, Trink- und Leitungswasser, Heil-, Mineral-, Quell- und Tafelwasser sowie lebendiges Wasser stehen.

Ihr dürft gespannt sein …

Bis dahin: alles Gute!
Carlos

Carlos

Carlos

Carlos trinkt seit vielen Jahren Grüne Smoothies und ist Blogger der ersten Stunde von GrüneSmoothies.de. Als ausgebildeter Ernährungs- und ganzheitlicher Gesundheitsberater sowie Personal Coach beschäftigt er sich intensiv mit den Zusammenhängen zwischen Ernährung und Gesundheit. Ihn zeichnet seine leidenschaftliche Skepsis und Neugierde aus, denn er will es meistens ganz genau wissen.
Carlos vertritt die Auffassung, dass „Ernährung die vielleicht wichtigste Variable zur Gesunderhaltung ist, auf die jeder Mensch am besten Einfluss nehmen kann.“ Grüne Smoothies sind für ihn ein wesentlicher Bestandteil einer gesunden Ernährung, weil sie den Körper natürlich, einfach und wirkungsvoll mit allem versorgen, was er für einen guten Start in den Tag braucht.

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