Trenddiäten und alternative Ernährungsformen 4: Trennkost

Eingestellt von am 11.09.2013
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Herzlich willkommen zum vierten Teil aus unserer Serie „Trenddiäten und alternative Ernährungsformen“. Nach VegetarismusRohkost und Ayurveda geht es heute um die Trennkost oder besser: um die verschiedenen Formen der Trennkost oder noch besser: um ihren kleinsten gemeinsamen Nenner.

Denn wie immer wollen wir uns nicht mit unnötigen Details herumschlagen, sondern zum Wesentlichen vordringen. Und das Wesentliche beginnt bei Dr. Howard Hay, einem US-amerikanischen Arzt, der im frühen 20 Jahrhundert lebte (1866 – 1940)  und als Begründer der Trennkost gilt.

Trennkost

Grundsätze

Dr. Hay sieht in der Ernährung den wichtigsten gesundheitlichen Faktor. Eine „falsche“ Ernährungsweise führe zwangsläufig zu Krankheit.

Hay unterschiedet folgende Hauptgründe von Krankheit:

  • zu hohe Aufnahme von Proteinen,
  • zu hohe Aufnahme von raffinierten, d.h. stark verarbeiteten Nahrungsmitteln,
  • gleichzeitiger Verzehr von kohlenhydrat- und proteinreichen Nahrungsmitteln,
  • eine lange Verweildauer (>24 Stunden) fermentierbarer Nahrungsbestandteile im Darm.

„Trennkost“ heißt diese Ernährungsform also deshalb, weil Hay zwischen der gleichzeitigen Aufnahme von Nahrungsproteinen und -kohlenhydraten warnt. Diese Trennregel begründet Hay durch die von ihm formulierten „chemischen Verdauungsregeln“.  Danach komme es bei gleichzeitigem Verzehr von kohlenhydrat- und proteinreichen Nahrungsmitteln zu einer Neutralisation der für die Verdauung zuständigen Enzyme. Die Folge: Der Stärke-, also Kohlenhydratabbau werde behindert. Hinzu kommt: Die Behinderung führe zu einer verlängerten Verweildauer des Speisebreis im Verdauungstrakts und damit zu vermehrter Fermentation und Säurebildung: Am Ende dieses Prozesses stünde die „gastrointestinale Autointoxikation“.

Zur Kritik an dieser Sichtweise kommen wir gleich.

Zuvor wollen wir noch auf einige bekannte deutsche Vertreter der Trennkost hinweisen, die dem ein oder anderen bekannten sicher geläufig sei werden.

Der bekannteste Vertreter der Trennkost hört auf den Namen „Schlank im Schlaf“. Diese „Insulin-Trennkost“ wird vor allem aus einem Grund propagiert: Die Trennung von kohlehydrat- und proteinreichen Lebensmitteln könne die Insulinsekretion gering halten. Und tatsächlich: Der postprandiale Insulinspiegel kann dadurch positiv beeinflusst werden. Hinweise darauf gibt es.

Es leuchtet durchaus ein, dass ein regelmäßiger Verzehr von schnell resorbierbaren Kohlenhydraten (Weißmehl, Zucker) und Fetten Risiken im Hinblick auf die Entstehung von Übergewicht birgt. Dadurch nämlich kann es in der Tat zu einem starken Blutzuckeranstieg mit langfristig erhöhter Insulinkonzentration sowie als indirekte Folge zu einer teilweisen Speicherung der Nahrungsfette als Fettreserve kommen.

Hierbei gilt: Steter Tropfen höhlt den Stein. 

Wer derart massig Kalorien „in sich reinhaut“, der muss auch dafür sorge tragen, dass er sie irgendwo und -wie verbrennt. Ansonsten nämlich wird die Kalorienbilanz positiv, anders ausgedrückt: man nimmt deutlich mehr zu sich als man in der Lage ist (passiv) zu verwerten und (aktiv)bereit zu verbrennen.

 

Dummerweise jedoch bestehen ALLE Lebensmittel (mit Ausnahme von Haushaltszucker), immer aus einer Kombination aus Kohlenhydraten und Proteinen.

Mutter Natur also kann kein großer Anhänger der Trennkost sein …

Aber auf Mutter Natur muss man natürlich nicht hören. Schon gar nicht heutzutage.

Schließlich sind wir moderne Menschen. Und als solche „stehen“ wir auf Konzepte und vorab Festlegungen.

In diesem Sinne gelten als proteinreich jene Lebensmittel, die einen Proteingehalt von über 15%  aufweisen, als kohlenhydratreich hingegen jene mit einem Stärke- bzw. Zuckeranteil von über 20%.

Solche (willkürlichen) vorab Festlegungen gebären IMMENS interessante Ideen zur „Ernährungsgestaltung“. (Ein schönes Wort). Solche „Ideen“ hören dann z.B. auf den Namen „Anleitung zu Kombination von Lebensmitteln“, umfassen mehrere Din-A4-Seiten und – man ahnt es – machen das Leben erst lebenswert.

Zugegeben: Das war jetzt reichlich polemisch … komme aber nicht umhin festzustellen, dass die Beschäftigung mit solch „ausgefeilten“ Konzepten zur Gesunderhaltung zu dem bei mir immer gleichen Schluss führt: „Get a Life!“ (was ich meinem Gegenüber dann imaginär entgegen rufe …)

Anstelle von „Get a Life!“ könnte man ebenso sagen: „Get your Intuition back!“. Denn das ist es, was wirklich zählt.

 

Genug gegrummelt.

Kommen wir nun zu den positiven Aspekten, denn Trennkost hat auch viele vorbildlichen Seiten: So postulierte Hay:

  • den Verzehr von Gemüsen, Salaten und Obst – idealerweise in roher Form,
  • die Reduktion von verarbeiteten Nahrungsmitteln,
  • die Reduktion (KEIN Verbot) von tierischen Proteinen,
  • das langsame und gründliche Kauen,
  • den Verzicht auf Zwischenmahlzeiten,
  • den Verzicht auf gehärtete Fette,
  • die Nutzung roher gesättigter Fette (Butter, Sahne),
  • die Verwendung von ungesättigten Pflanzenölen (ANMERKUNG: mit Ausnahme von Olivenöl ist das KEINE SO GUTE IDEE!)

Und das Ihr Lieben macht durchaus Sinn, wie Ihr euch sicherlich denken könnt …

Hätte Hay heutzutage gelebt, dann stünden in der obigen Liste auch garantiert grüne Smoothies! Worauf die Antwort auf die Frage, ob sich Trennkost mit grünen Smoothies verträgt, beantwortet wäre. und ob sie sich vertragen.

Und um jeden Zweifel auszuräumen: Grüne Smoothies bestehen nicht aus Kohlehydraten UND Proteinen, sie bestehen, selbst nach „konservativer“ Lesart, ausschließlich aus Kohlenhydraten, NICHT aus Proteinen. Jeder Trennkost-Anhänger (allen anderen sowieso) sollte auch aus diesem Grund in Zukunft darauf verzichten, Proteine in Form von Nüssen oder Samen oder schlimmer noch: Milchprodukten darin zu verwenden!

Ernährungsphysiologische Bewertung

Kurz und gut: Wer Trennkost betreibt macht sich das Leben zwar unnötig schwer, wer sie jedoch nach den von Hay postulierten Prinzipien „lebt“, der tut sich ganz sicher nur Gutes. Vom Stress der Lebensmittelauswahl einmal abgesehen …

 

BLÖDSINN ist und bleiben allerdings folgende mittlerweile eindeutig widerlegte Vorstellungen:

  • Die Begründung für die Trennung von Kohlenhydraten und Proteinen:  Zahlreiche Untersuchungen am Menschen haben zweifelsfrei belegt, dass der Verzehr einer gleichzeitig kohlenhydrat- und proteinreichen Mahlzeit keine verlängerte Passagezeit des Speisebreis im Magen zur Folge hat. Auch wird die im Mund begonnene Stärkeverdauung nicht im Magen beeinträchtigt. Im Gegenteil! Einige Studien konnten belegen, dass die Kombination von kohlenhydrat- und proteinreichen Lebensmitteln die Stärkeverdauung sogar begünstigt.
  • Die Ausführungen zum Säure-Base-Gleichgewicht: Klar ist, Ernährung und Säure-Base-Gleichgewicht stehen in Zusammenhang. Klar ist aber auch: „Schuld“ daran ist nicht der gleichzeitige Verzehr von kohlenhydrat- und proteinreichen Lebensmitteln!
  • Die intestinale Autointoxikation: Eine „Selbstvergiftung“ des Organismus infolge von Fermentation ist wissenschaftlich widerlegt.

Was also bleibt?

Fazit

Die Hay’sche Trennkost stellt im Grund nichts anderes als eine vorwiegend lakto-vegetabile Kostform dar.

Sie könnte durch die Integration grüner Smoothies IMMENS profitieren!

Wer immer also Anhänger der Trennkost nach Dr. Hay, Ursula Summ, Martin Noelke, Detlef Pape oder Michel Montignac ist: integriert grüne Smoothies – und schaut was passiert!

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Soviel also zur Trennkost.

Das nächste Mal beschäftigen wir uns mit einem weiteren Trendthema: der Paleo-oder Steinzeitdiät!

 

Bis dahin!
Carlos

Carlos

Carlos

Carlos trinkt seit vielen Jahren Grüne Smoothies und ist Blogger der ersten Stunde von GrüneSmoothies.de. Als ausgebildeter Ernährungs- und ganzheitlicher Gesundheitsberater sowie Personal Coach beschäftigt er sich intensiv mit den Zusammenhängen zwischen Ernährung und Gesundheit. Ihn zeichnet seine leidenschaftliche Skepsis und Neugierde aus, denn er will es meistens ganz genau wissen.
Carlos vertritt die Auffassung, dass „Ernährung die vielleicht wichtigste Variable zur Gesunderhaltung ist, auf die jeder Mensch am besten Einfluss nehmen kann.“ Grüne Smoothies sind für ihn ein wesentlicher Bestandteil einer gesunden Ernährung, weil sie den Körper natürlich, einfach und wirkungsvoll mit allem versorgen, was er für einen guten Start in den Tag braucht.

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8 Kommentare

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Im übrigen: Fleisch enthält auch keine Kohlenhydrate 😉

klar, tu das!

LG

Bernd

Hey Carlos,

danke für deine Antwort!

Lustig das du die kennst. Ich find die Warrior Diet ziemlich cool, so vom Ansatz her, auch wenn ich andere Ziele verfolge 🙂

Ich muss sagen, dass ich grüne Smoothies mit Frucht bzw. Frucht mit Fett (Lubrikator) nicht so gut vertrage. Daher bestehen meine Smoothies meist nur aus grünen Blättern, Zitrone und Wasser. Das Gleiche gilt für den Lubrikator.

Die Frage bleibt, inwieweit sich Körperinstinkte mit Ernährung überhaupt beeinflussen lassen. Zu einem Teil ja.

Für viele Menschen ist Ernährung halt ne höchst emotionale Sache, für nicht wenige ein Abgott.

Emotionale Konditierungen spielen da schon auch ne große Rolle.

super interresante Infos, die du hier postest!!

LG

Bernd

Carlos

Hey Bernd!

Danke für die Blumen.
ich werd' Dich mal anmailen. Vllt hast Du ja Interesse an einem Erfahrungsbericht ...

Liebe Grüße!
Carlos

Wie sieht es mit der Kombo Zucker und Fett aus ( Lubrikator) ? Ori Hofermekler ( der Typ, von dem, so meine ich, Christian Opitz´ Hunger Idee stammt. Bitte korrigiere wenn falsch)z.B. ist strikt dagegen. Siehst du hier ...

http://www.warriordiet.com/home/top-10-diet-fallacies.php

Carlos

Hi Bernd!

Ist ja lustig! Ich kenne Ori (sogar persönlich) und auch Christian.

Christian macht das mit den Hungerphasen seit über 10 Jahren, sehr viel länger als Ori.
Ori und Christian haben völlig unterschiedliche Ansätze.

Habe eine zeitlang strikt nach Ori's Methoden trainiert und gegessen - und das funzt schon, wenn man eben auf das rein körperliche, die übliche Fitness und Leistungsfähigkeit aus ist. Er ist halt Es-Soldat - und das schlägt ganz massiv durch.

Christian hat einen komplett anderen Ansatz. GAnz witzig, weil Christian zwar (auch) aus dem Triathlon und Kampfsport kommt, aber sich mittlerweile völlig der inneren Kultivierung von Lebensenergie verschrieben hat.

Wie gesagt, ich kenne beide Ansätze sehr gut - es gibt viele Überschneidungen, aber mit jeweils anderem Fokus.

Christian kulitiviert und nährt Lebenenergie und d.h. Langlebigkeit und das ist - glaub' mir durchaus wortwörtlich zu nehmen - Ori hingegen kultiviert einen stahlharten Körper. Letztlich muss jeder selbst wissen, welches Ziel er verfolgt. Mir war der Ansatz von Ori letztlich zu oberflächlich - und auch SEHR einseitig yang-betont. Wenn Du mal eine ganze Zeit lang CFT-Training gemacht hast und dazu noch x-mal wöchentlich HIT-Training, dann weißt du wovon ich spreche. Das VERBRAUCHT Lebensenergie (sieht aber gut aus 😉

Und vor diesem Hintergrund macht es durchaus Sinn zwischen Fett und KH oder besser: weißem Zucker, also kurzkettigen KHs zu trennen. Das macht „ripped". Den Effekt kann man allerdings auch anders erzielen ...

Aus Christians Sicht würde ich sagen macht das wenig Sinn, weil er ein Ansatz vorschlägt der deine körperliche Intuition derart schult, dass sich solche Fragen früher oder später erübrigen.

Soweit. So gut?

Liebe Grüße!
Carlos

Komisch, oben steht, dass die Natur alle Lebensmittel mit Protein und Kohlehydraten ausstattet und wenn es um die Smoothies geht heißt es, sie bestünden NUR aus Kohlehydraten? Ist das nicht ein Widerspruch??

Carlos

Hallo Elke!

Wie Dir sicherlich aufgefallen ist, ich habe reichlich polemisch geschrieben ... Asche auf mein Haupt.
Die Natur hat tatsächlich alles mit Proteinen und Kohlenhydraten ausgestattet, mal mehr, mal weniger.

Da der Grüne Smoothie jedoch aus Pflanzengrün besteht hast du hier praktisch keine Stärke, also komplexe Kohlenhydrate - und keine Zucker. Allerdings hast Du freie Aminosäuren, aber KEINE Proteine, also „komplexe Gebilde“ von Aminosäuren. Im Obstanteil findest Du vor allem Fruchtzucker, der hier überwiegt.

Summasumarum: Hat natürlich beides, allerdings in FREIER Form vorliegen, mit einem deutlichen Mehr auf Seite der Kohlehydrate!

„Ausschießlich“ ist natürlich reichlich übertrieben. Aus Sicht eines TRENNKÖSTLERS, und darauf wollte ich eigentlich hinaus: zutreffend! Ein Trennköstler geht je gar nicht davon aus, dass er in der Kategorie Pflanzengrün Proteine findet. Darum ist diese Kategorie „neutral“ und mit allem kombinierbar.

Soweit. So gut?
Liebe Grüße!
Carlos

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