Gewürze für kalte Wintertage 2

Eingestellt von am 13.02.2013
gewürze_02

Willkommen zum zweiten Teil unserer kleinen, feinen Gewürzkunde. Im ersten Teil widmeten wir uns den folgenden Gewürzen: Chili, Ingwer, Koriander, Muskat und Paprika. Im nun folgenden zweiten Teil geht es um Zimt, (schwarzen) Pfeffer, Kardamom, Kurkuma und Anis.

Bevor es los geht eine letzte Anmerkung (für die, die den ersten Teil nicht gelesen haben): Alle Gewürze stellen ausnahmslos eine geschmacksverstärkende Zutat dar, sie sind (wichtige) Nebendarsteller im Geschehen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Die Dosis macht den Unterschied!

Auf geht’s ins Vergnügen!

 

Anis (Pimpinella anisum)

Hintergrund

Ägypter, Griechen, Römer, Araber – sie alle kannten und schätzten ihn: Anis.

Anis ist eine lichtliebende Pflanze, die während der Wachstumsperiode ein warmes und feuchtes, also subtropisches Klima braucht. Kein Wunder also, dass er vornehmlich in subtropischen Gebieten Südostasiens, Mittel- und Südamerikas angebaut wird. Ursprünglich kommt Anis aus Asien.

Übrigens: Im Mittelalter versuchte man Anis auch nördlich der Alpen anzubauen – trotz des nicht gerade subtropischen Klimas in diesen Regionen. Das volle Aroma des Anis setzt jedoch diese (subtropische) und keine andere klimatische Bedingungen zwingend voraus! (Der Versuch war wohl vor allem deshalb nicht wirklich von Erfolg gekrönt.)

Verwendung

Der typische Anisgeschmack wird von seinen ätherischen Ölen bestimmt. Er ist durch und durch intensiv, wirkt wärmend und passt hervorragend zu Früchten, Fenchel und Ingwer. Das ist auch der Grund, warum er (bei mir) ab und an im grünen Smoothie landet – und nicht nur (wie bei anderen) in Brot, Backwaren und Spirituosen (Ouzo, Absinth, Pastis, Aguardiente).

Anis passt sehr gut zu: Ananas, Apfel, Birnen, Datteln (getrocknet), Fenchelgrün, Fenchelsamen, Früchte, Ingwer, Kardamom, alle Arten von Kohl, Melone, Muskatnuss, Orangen, Pfeffer, Pflaumen, Vanille, Zimt, Zitrone.

Wirkung

Anis wurde und wird nicht nur als Gewürz-, sondern auch als Heilpflanze verwendet. Er wirkt schleimlösend, verdauungsfördernd, antiseptisch, krampflösend und stimuliert den Appetit.

Kardamom (Elettaria cardamomum)

Hintergrund

Vorweg: Wir sprechen im Folgenden vom grünen nicht vom schwarzen Kardamom

Kardamom stammt ursprünglich aus Südindien, Sri Lanka, dem Irak und Thailand. Das sind auch heute noch die Hauptanbaugebiete.

Das was am Kardamom überaus interessant ist, liegt gut geschützt in den dreifächerigen, strohigen Kapselfrüchten versteckt. In jedem dieser Fruchtfächer sitzen vier bis acht grau-braune Samen. Und um genau diese Samen geht es. Sie enthalten ein ätherisches Öl, was dem Kardamom – ähnlich dem Anis – seinen charakteristischen Geschmack verleiht. Dieser ist süßlich-scharf und würzig-frisch.

(Übrigens: Schwarzer Kardamom hat im Gegensatz zum grünen Kardamom ein eher herbes erdiges Aroma.)

Verwendung

Ich liebe Kardamom! Allerdings nur die ganzen Stücken, sprich: Samen. Nur sie sind wirklich aromatisch. Von dem ebenfalls im Handel erhältlichen Pulver rate ich ab. Es ist nicht ausreichend aromatisch, was in aller Regel daran liegt, dass die geschmacksintensiven Samen zusammen mit den geschmacksneutralen Fruchtschalen vermahlen werden.

Ihr könnt natürlich auch gleich die ganzen Fruchtschalen bzw. Kapseln kaufen.

Guten Kardamom erkennt man an der frisch-grünen Farbe der Kapseln und der ölig-schwarzen Farbe der Samenkörner.

Kardamom passt sehr gut zu: Anis, Apfel, Aprikosen, Bananen, Birnen, Chili, Dattel (getrocknet), Grapefruit, Ingwer, alle Kohlsorten, Koriandergrün, Koriandersamen, Orange, Paprika, alle Salatsorten, Spinat, Vanille, Zimt, Zitrone, Zitrusfrüchte.

Wirkung

Die Samen wirken karminativ (verdauungsfördernd und blähungslindernd), diaphoretisch (schweisstreibend) und appetitanregend. Außerdem reinigen sie die Mundhöhle nach jedem Essen und wirken Mundgeruch gezielt entgegen.

Kurkuma (Curcuma longa)

Hintergrund

Kurkuma (Gelbwurz) ist eine aus Südasien stammende Pflanzenart aus der Familie der Ingwergewächse. Darum wird Kurkuma auch als „gelber Ingwer“ bezeichnet. Es  wird vorwiegend in tropischen Regionen angebaut.

Im Gegensatz zum Ingwer ist das „Fruchtfleisch“ der Wurzel / Knolle („Rhizom“) leuchtend gelb / orange. Dieses leuchtend gelb-orangene „Fruchtfleisch“ wird frisch als auch getrocknet als Gewürz und Farbstoff verwendet (z.B. in Currypulvern). Vor allem frisches Kurkuma ist ein exzellenter Farbstoff. Ähnlich abfärbend wie Rote Beete, aber deutlich „hartnäckiger“ in seiner Wirkung: einmal gelb, (fast) immer gelb!

Verantwortlich für diese durchdringende gelbe Färbung: Curcumin. Daneben enthält Kurkuma eine Reihe typischer ätherischer Öle. Die außerordentliche Heilwirkung von Kurkuma ist auf die Kombination dieser beiden Stoffe – zusammen mit einigen weiteren hundert unidentifizierten sekundären Pflanzenstoffen des Rhizoms –  zurückzuführen. Der hierfür gebräuchliche Fachbegriff lautet: „Nahrungsmatrix“.

Verwendung

Vorweg: frischer, biologisch angebauter Kurkuma, ist nur sehr schwer zu bekommen. Wer Glück hat, schlägt zu und lässt sich überraschen!

Ich verwende in fast jedem grünem Smoothie 1-2 Messerspitzen getrocknetes Kurkumapulver. Es passt hervorragend zu fast jeder Aromenkombination, da Kurkuma den Geschmack auf wundersame Weise „abzurunden“ vermag.  Darum schmeckt es mir mit Kurkuma einfach immer ein Stückchen „besser“ und „vollkommener“! Aber das ist und bleibt natürlich Geschmackssache!

Kurkuma wirkt ähnlich einer „Grundierung“. Das ist übrigens auch der Grund, weshalb es immer einer der ersten Gewürze ist, das in ein Curry kommt. Die verwendete Menge Kurkuma zeichnet gewissermaßen den Weg vor, den das Curry danach einschlagen wird…

Kurkuma passt sehr gut zu: Chili, Curry, Fenchelgrün, Fenchelsamen, alle Früchte, Ingwer, alle Kohlsorten, Koriandergrün, Koriandersamen, Paprika, Petersilie, Pfeffer, alle Salatsorten, Spinat.

Aromenkombinationen: Kurkuma + Koriandergrün + Kreuzkümmel + Toamte + Paprika + Petersilie + Pfeffer.

Wirkung

Kurkuma wird vor allem im Ayurveda und der TCM als überaus potentes Heilmittel angesehen. Es wirkt als natürliches septisches Mittel, „verschönert“ nicht nur die Haut, sondern ist außerdem in der Lage auch chronische Hautkrankheiten wie Lepra zu heilen. Es hilft bei Diabetes, Krankheiten der Harnorgane, bei unreinem Blut, Anämie und Geschwüren!

 

Pfeffer (Piper nigrum)

Hintergrund

Und schon wieder ein Gewürz, das aus dem fernen Orient, genauer: Indien kommt. Erst im Zuge der Ausbreitung der indischen Kultur nach Südostasien gelangte der Pfefferanbau in das heutige Indonesien, Vietnam und Malaysia – die zugleich wichtigsten heutigen Anbaugebiete der Pfefferpflanze.

Wenn wir von „Pfeffer“ reden, meinen wir normalerweise den schwarzen Pfeffer, um den es auch im Folgenden gehen wird. Daneben existiert noch grüner, weißer Pfeffer sowie roter Pfeffer. Bei allen vier Pfeffersorten handelt es sich um ein und dieselbe Frucht der Pfefferpflanze. Die unterschiedliche Färbung hängt lediglich vom Reife- und Bearbeitungsgrad der Früchte ab:

  • Grüner Pfeffer – das liegt nahe – wird aus unreifen, früh geernteten Früchten gewonnen, die dann in Salzwasser eingelegt oder bei hohen Temperaturen getrocknet werden.
  • Schwarzer Pfeffer wird aus unmittelbar vor der Reife stehenden Früchten gewonnen, die anschließend (luft-)getrocknet werden.
  • Weißer Pfeffer wird aus vollreifen roten Früchten gewonnen, die unter fließendem Wasser eingeweicht, geschält und anschließend (von der Sonne) getrocknet und gebleicht werden.
  • Roter Pfeffer ist der eigentlich reife Pfeffer- oder besser: die reife Frucht des Pfeffers.

Unter den Wirkstoffen des Pfeffers ragt neben einigen ätherischen Ölen vor allem das scharf schmeckende Piperin heraus.

Verwendung

Pfeffer findet in sehr vielen meiner Smoothies Verwendung, vor allem dann, wenn es scharf oder süßlich-sauer werden soll bzw. eine bereits vorhandene Geschmacksnote dieser Art zusätzlich unterstrichen wird.

Mehr als eine Prise Pfeffer nutze ich übrigens nie! Diese Prise allerdings passt praktischerweise zu fast Allem! Vor allem Früchte erfreuen sich einer pfefferigen  Begleitung!

Tipp: Pfeffer einfach nach Beendigung des Mixvorgangs hinzugeben, das peppt den „Grüni“ kurz vor dem Servieren und Genießen noch mal richtig auf!

Pfeffer passt sehr gut zu: Ananas, Basilikum, Beeren, Birnen, Fenchelgrün, Fenchelsamen, Kardamom, alle Kohlsorten, Koriandergrün, Koriandersamen, Minze, Petersilie, alle Salatsorte, Tomate, alle Wildkräuter.

Wirkung

Pfeffer gilt im Ayurveda und der TCM als eines der bedeutendsten Mittel zur Stimulation der Verdauung! Er wirkt auswurffördernd, appetitanregend, fiebersenkend und antiparasitär.

 

Zimt (Cinnamomum zeylanicum)

Hintergrund

Zimt wird aus der getrockneten Rinde von Zimtbäumen gewonnen. Handelt es sich bei dem Baum um den sog. „Echten“, den Ceylon-Zimtbaum, dann spricht man folgerichtig auch von Ceylon-Zimt. Dieser stand ursprünglich auf der Insel „Ceylon“, dem heutigen Sri Lanka, wo ihn der portugiesischen Seefahrer Vasco da Gama entdeckte. Er war es auch, der den Zimt nach Europa brachte und dort für sehr viel Geld handelte.

Das Hauptanbaugebiet ist auch heute noch Sri Lanka.

Das wunderbare, nicht gerade unaufdringliche Aroma des Zimtbaumes geht in erster Linie auf das in ihm enthaltene Zimtöl zurück.

Verwendung

Zimt gehörte lange, sehr lange Zeit zu den Gewürzen, mit denen man mich „jagen“ konnte – und zwar „davon jagen“. Ein wirklicher Verehrer war ich also nicht. Im Laufe der Zeit – und meiner wachsenden Begeisterung für indische und asiatische Gerichte –  veränderte sich das Geschmackserleben Schritt für Schritt. Heute zählt Zimt zu meinen absoluten Lieblingsgewürzen!

Der Schlüssel zum Zimt liegt (wie so oft) in der Dosis – dem also ausbalancierten Verhältnis zwischen seinen (potentiell) dominierenden Aromen auf der einen und den Geschmacksnuancen weiteren Zutaten auf der anderen Seite. Greift beides harmonisch ineinander kann es richtig rund werden, sprich: richtig gut!

Ich verwende Zimt gerne zu Kohl und zu eher süßen grünen Smoothie-Kreationen.

Zimt passt sehr gut zu: Apfel, Aprikosen, Bananen, Beeren, Birnen, Chili, Fenchelgrün, Fenchelsamen, alle Früchte, Heidelbeeren, Ingwer, Kardamom, alle Kohlsorten, Koriandergrün, Koriandersamen, Kurkuma, Muskatnuss, Orange, Paprika, Rosinen, alle Salatsorten, Tomaten, Zitronen.

Wirkung

Zimt ist nicht nur eines der ältesten Gewürz-, es ist vor allem eines der ältesten Heilkräuter des Planeten. Zimt wirkt schweißtreibend, karminativ (verdauungsfördernd), adaptiv (allgemein heilungsfördernd), diuretisch (fördert die Wasserausscheidung), auswurffördernd und schmerzstillend.

 

Damit schließen wir den zweiten Teil unserer kleinen Gewürzkunde.

Morgen gibt es noch einige dazu passende Rezepte!

 

Bis dahin!

Liebe Grüße an alle!

Carlos

 

Foto: http://www.freegreatpicture.com
Carlos

Carlos

Carlos trinkt seit vielen Jahren Grüne Smoothies und ist Blogger der ersten Stunde von GrüneSmoothies.de. Als ausgebildeter Ernährungs- und ganzheitlicher Gesundheitsberater sowie Personal Coach beschäftigt er sich intensiv mit den Zusammenhängen zwischen Ernährung und Gesundheit. Ihn zeichnet seine leidenschaftliche Skepsis und Neugierde aus, denn er will es meistens ganz genau wissen.
Carlos vertritt die Auffassung, dass „Ernährung die vielleicht wichtigste Variable zur Gesunderhaltung ist, auf die jeder Mensch am besten Einfluss nehmen kann.“ Grüne Smoothies sind für ihn ein wesentlicher Bestandteil einer gesunden Ernährung, weil sie den Körper natürlich, einfach und wirkungsvoll mit allem versorgen, was er für einen guten Start in den Tag braucht.

Kommentare auf Facebook

Kommentar hinzufügen

E-Mail-Adresse ist schon registriert. Bitte benutze Login form oder nenne eine andere.

Du hast einen falschen Nutzernamen oder Passwort eingegeben

Entschuldige, aber Du musst eingeloggt sein, um Kommentare zu schreiben.

2 Kommentare

Neueste zuerst
nach Bewertung Neueste zuerst Älteste zuerst

Erst einmal vielen Dank, lieber Carlos, für Deine ausführliche und sehr informative Darstellung der Gewürze! Das hat mir sehr gut gefallen 🙂

Zum roten Pfeffer möchte ich noch anmerken, dass unter diesem Namen auch häufig die rosa Beeren des Brasilianische Pfefferbaum (Schinus terebinthifolius)angeboten werden. Der echte rote Pfeffer ist mir bisher noch nicht begegnet, werde aber mal die Augen offen halten.;-)

Beim Kurkuma finde ich den frischen wesentlich aromatischer als die Pulverform (habe gerade noch mal einen Vergleichstest durchgeführt ;-)) Ich habe ihn bisher (d.h. seit 4 Monaten) immer bei meinem Lieblingsbioversender "bringmirbio.de" erhalten und möchte ihn in meinem Smoothie zusammen mit Ingwer nicht mehr missen. Meine Bestellmenge musste ich schon mehrfach erhöhen. 😀

Carlos

Danke Danke Danke:)
Carlos

Teile diesen Beitrag mit Freunden!