Oxalsäure ungesund?

Eingestellt von am 23.01.2013
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Zur Zeit kursieren Gerüchte, denen zufolge grüne Smoothies Nierensteine verursachen können. Der Grund: Die in grünen Blättern enthaltene Oxalsäure. Bevor wir ins Detail gehen, das Wichtigste zuerst:

Es gibt keinerlei  wissenschaftliche Hinweise darauf, dass die Menge an Oxalsäure, die in den Zutaten für grüne Smoothies steckt, irgendwelche schädlichen Auswirkungen auf den Organismus haben könnte. Dazu ist die Menge schlicht und ergreifend viel zu gering!

Auch die Erfahrung aus vielen Jahren Praxis widerlegt diese Vorurteile eindeutig, denn Oxalsäure würde, wenn sie denn ein Problem wäre, zu einer Demineralisierung des Körpers führen. Ganz offensichtlich erleben wir in der Praxis aber exakt das Gegenteil: Sehr viele Anzeichen einer viel besseren Mineralstoffversorgung des Körpers durch grüne Smoothies:

  • das Wegfallen von Heißhunger auf Süßes (Chrommangel),
  • weniger Nahrungsbedarf insgesamt,
  • Reduktion entzündlicher Stoffwechsellagen,
  • weniger Hunger auf tierisches Eiweiß (Zinkmangel).
Kurzum: Oxalsäure ist ein sehr „alter Hut“ unter den Warnungen vor Rohkost, die im krassen Gegensatz zur praktischen Erfahrung steht.

Der Blick ins Detail: Antinährstoffe

Oxalsäure gilt als sog. „Antinährstoff“. Antinährstoffe finden sich in fast jedem Essen. Es sind natürliche, aber u.U. „problematische“ Stoffe, weil sie die Nährstoffaufnahme und -verstoffwechselung behindern. Sie werden von Pflanzen gebildet, um nicht gefressen zu werden.

Zu den bekanntesten Antinährstoffen zählen die Phytinsäure in Getreiden, die die Aufnahme von (metallischen) Mineralien und Spurenelementen (Zink, Eisen, Calcium) verhindert und die sog. „Trypsin-Hemmer“ in Hülsenfrüchten, die die Eiweiss-Verdauung stören. (By the way: Wie oft hören Sie die Warnung vor dem regelmäßigen Verzehr von Brot?)

Während Trypsin-Hemmer durch Kochen und Einweichen abgebaut werden können (dies ist auch der Grund, warum Hülsenfrüchte von Naturvölkern immer über sehr lange Zeit eingeweicht wurden), ist die Phytinsäure hitzestabil. Kochen hilft hier also nicht.

Auch die Oxalsäure wird durch Kochen nicht abgebaut.

Natürliches Vorkommen

Oxalsäure kommt in Rhabarber, Mangold, Spinat, Roten Rüben, Kakao und Schokolade, Sesam, Amaranth, Quinoa und vielen anderen Pflanzen vor. Auch in Kaffee und Tee findet man sie.

Der ganzheitliche Blick

Da Oxalsäure mit dem im Blut (und den Zellen) enthaltenen Kalziumverbindungen zu unlöslichem Kalziumoxalat (einem Salz der Oxalsäure) reagiert, kann sie dadurch den Kalziumstoffwechsel stören. Unlösliche Stoffe können vom Körper nicht abgebaut, also in andere Stoffe umgewandelt werden. Sie müssen ausgeschieden werden. Und nun kommt’s: wenn dieser Vorgang – aus den weiter unten genannten Gründen – nicht mehr richtig funktioniert, können sich Nierensteine bilden!

Der Gesamtzusammenhang

Das Problem bei der gesamten Diskussion bzw. dem „Vorwurf“ an sich ist der linear verstandene, aber nicht real vorliegende Ursache-Wirkung-Zusammenhang zwischen dem Verzehr von grünem Blattgemüse und einer damit verbundenen Gefahr von Nierensteinen.

Dies ist in etwa vergleichbar mit der Vorstellung, eine schlecht gebaute Mauer aus Ziegelsteinen wäre schief, weil Ziegelsteine existieren. Nierensteine bestehen aus an sich völlig harmlosen Substanzen, Kalzium ist dabei am häufigsten als Bestandteil vertreten. Aber gerade eine kalziumreiche Ernährung beugt Nierensteinen vor!

Die Unfähigkeit des Körpers, Mineralien im Harn auszuscheiden, was dann zur Steinbildung führt, hat nichts mit dem Vorhandensein der Mineralien zu tun! Manche Nierensteine bestehen aus Mineralsalzen der Oxalsäure, aber das Vorhandensein des Oxalsäure im Körper ist ebensowenig ursächlich für die Steine, wie das Vorhandensein von Kalzium, was sich mit Oxalsäure zu Kalziumoxalat als Stein verbinden kann.

Es gilt den Gesamtzusammenhang im Blick zu behalten: Generell gilt eine Ernährung mit zu viel Kochsalz und Eiweiß als Hauptrisikofaktor für Nierensteine. Vegetarier, die generell mehr grünes Gemüse im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt essen, leiden offenbar seltener an Nierensteinen, wie z.B. Andreas Kribben von der Uniklinik Essen unlängst feststellte.

Trauen Sie Ihrem Geschmack und Körpergefühl

Wenn ein Lebensmittel ein Übermaß an Oxalsäure enthält, wird dies bereits am Geschmack deutlich. So haben zum Beispiel roher Rharbarber oder eine unreife Khaki einen sehr hohen Oxalsäuregehalt, sind aber praktisch ungenießbar. Grüne Blätter enthalten zwar geringe Mengen an Oxalsäure, aber in einem für unseren Körper sehr günstigen Verhältnis zu Mineralien wie Kalzium, was eher dazu führt, dass Nierensteinen vorgebeugt werden kann!

Keine Angst also vor dem Verzehr von grünem Blattgemüse. Darüber hinaus gilt: Rotieren Sie Ihre Zutaten für den grünen Smoothie. Dann wird es nämlich nicht nur nie gefährlich, sondern bleibt vor allem auch geschmacklich spannend! Und letztlich kommt es darauf an!

Wir hoffen durch diesen Artikel das Thema einigermaßen verständlich und abschließend behandelt zu haben…

Liebe Grüße! Christian und Carlos

Carlos

Carlos

Carlos trinkt seit vielen Jahren Grüne Smoothies und ist Blogger der ersten Stunde von GrüneSmoothies.de. Als ausgebildeter Ernährungs- und ganzheitlicher Gesundheitsberater sowie Personal Coach beschäftigt er sich intensiv mit den Zusammenhängen zwischen Ernährung und Gesundheit. Ihn zeichnet seine leidenschaftliche Skepsis und Neugierde aus, denn er will es meistens ganz genau wissen.
Carlos vertritt die Auffassung, dass „Ernährung die vielleicht wichtigste Variable zur Gesunderhaltung ist, auf die jeder Mensch am besten Einfluss nehmen kann.“ Grüne Smoothies sind für ihn ein wesentlicher Bestandteil einer gesunden Ernährung, weil sie den Körper natürlich, einfach und wirkungsvoll mit allem versorgen, was er für einen guten Start in den Tag braucht.

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8 Kommentare

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Es gibt keine Studien? Man suche bitte "Oxalat" auf pubmed, der größten Sammlung wissenschaftlicher Studien, mit der auch Diplomanden und Doktoranden arbeiten. Dort wird man schnell fündig. Oxalsäure bindet sich an Calcium und bildet so Kristalle. Mit Milchprodukten verzehrt geschieht das bereits im Magen, ohne trifft Oxalat erst später auf das Calcium und bildet die berühmten Steinchen eben in Niere oder Blase. Was ist so schlimm daran, das einfach zu beachten? Schon meine Oma hat mit Rhabarberkompott nur mit Vanillesauce serviert.

Ja Franzi, genauso habe ich es auch in meinem Bio-Studium gelernt. Oxalsäure, z.B. in Rhabarber oder Spinat nie ohen Milchprodukte essen. Ansonsten entzieht es dem Körper Calcium. Nicht gut für die Knochen, Muskelfunktion und wo sonst noch Calium gebraucht wird. Die Oma weiß es ja schon. Also wenn man Milch oder Sahne in seinen Smoothie gibt, dann ist ja alles gut. Taditionell ist man ja auch den gekochten Spinat mit Spiegelei oder mit Sahne. Rhabarberkuchen mit Eiweißbaiser, ...

Yvonne Coorman

Ich trinke seit 4 Jahren täglich meine 0,5 Liter grüne Smoothies und diese IMMER mit Spinat. Und was soll ich sagen? Ich bin gesund, fühle mich fit und kleine Wehwehchen bis hin zu Arthrose-schmerzen sind verschwunden!

kurze Frage@carlos: welche Nahrungsmittel meinst du mit "die wichtigsten gesundheitsschädigenden Nahrungsmittel" ? danke und lg

Carlos

Hallo Clude!

Im Grunde das, was JEDE noch so unterschiedlich erscheinende Diät oder Ernährungsform weglässt: denaturierte, prozessierte, d.h. stark verarbeitete Nahrungsmittel. Dazu gehört im Grunde alles, was in Verpackungen daher kommt.

Schau mal in die Reihe Trenddiäten und alternative Ernährungsformen:
https://gruenesmoothies.de/blog.php/kategorie/wissen/diaten-und-alternative-ernahrungsformen/

Michael Basler

Ich vermisse eine Bewertung des Themas analog der Einschätzung des berühmten Autors Norman Walker. Hier die Fragestellung in Form eines Blogbeitrags den ich gefunden habe:

Der Autor( Norman Walker ) ist der Auffassung, dass organische Oxalsäure nicht gesundheitsschädigend ist, sondern genau das Gegenteil, nämlich sehr gesund. Er sagt, dass bei roher Nahrung, also z.B. rohem Spinat jedes Molekül der Nahrung organisch und mit Enzymen gesättigt ist.

Darum sei die Oxalsäure in rohem Gemüse organisch, und als solche nützlich, ja lebenswichtig für die physiologischen Funktionen des Körpers.

Durch Kochen von z.B. Spinat wird die Oxalsäure im Spinat anorganisch, und insofern auch schädlich.

Z.B. kann die Bildung anorganischer Oxalsäure Kristalle in den Nieren durch Oxalsäure hervorgerufen werden, wenn Oxalsäure durch Kochen der Nahrung in eine anorganische Säure umgewandelt wird.

Wenn die Oxalsäure durch Kochen der Nahrungsmittel, die sie enthalten,anorganisch geworden sind, dann bildet diese Säure eine feste Verbindung mit dem Kalzium in anderen Nahrungsmitteln, die während derselben Mahlzeit gegessen wird und zerstört in beiden den Nährwert . Dies kann zu einem Kalziummangel führen. Aber nur bei gekochtem Gemüse, welches Oxalsäure enthält.

Carlos

hallo michael!

in der tat, normal wardhaugh walker ist eine berühmtheit. vor allem sein entsafter, der norwalk. auch sein auf hohen rohkostanteilen basierendes ernährungsprogramm war erfolgreich - so erfolgreich, wie eben jedes rohkostdominiertes programm garantiert sein wird, wenn die wichtigsten gesundheitsschädigenden nahrungsmittel weg gelassen werden. und wenn das erfolgt, bietet ein rohkostdominierts programm die wohl größten aussichten auf erfolg.

das alles hat norman walker vor allem empirisch festgestellt, also anhand seiner eigenen krankheitsgeschichte und dem feedback vieler 'patienten'

kurz und gut: er war ein guter 😉

trotzdem ist die obige aussage komplett unlogisch. ich will es mal so ausdrücken: das ist eine fast schon typische völlig unwissenschaftliche art, mit irgendwelchen begriffen völlig zweckentfremdet um sich zu werfen. organische und anorganische substanzen sind nicht durch physikalische eigenschaften definiert, die sich beim kochen definitiv ändern.

aber ganz ehrlich: um zu behaupten, das oxalsäure kein problem darstellt, brauchen wir uns nicht auf solche argumente zurückziehen, denn das sind genau jene argumente, die bei entsprechendem näher hinsehen, nicht standhalten!

aber den norman, den mag ich trotzdem 🙂
liebe grüße!
carlos

Hallo ihr zwei,

ich trinke schon lange Smoothies, hauptsächlich mit Wildkräutern. Auf meiner Website habe ich Smoothies beschrieben und auch meine äußerst positiven Erfahrungen damit. Wie ihr schon beschrieben habt, stoppte auch bei mir der Heißhunger auf Süßes, Gewichtsabnahme, weniger Schlafbedürfnis, mehr Energie .... Auch ich bekomme ab und an Mails mit diesen "Vorwürfen" ich solle nicht solche Gefährlichen Sachen wie Smoothies empfehlen, gerade wegen der Oxalsäure und auch weil da ja nix bewiesen ist. Das ist ziemlich ermüdend. Deshalb werde ich auf diesen Bericht verlinken, vielen Dank dafür!

Herzliche Grüsse Marion

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