Microgreens: Kraftquelle von der Fensterbank

Eingestellt von am 25.02.2015
Chia-Sprösslinge

Grüne Smoothies im Winter. Frischer geht’s nicht.

In den Wintermonaten ist die Auswahl an Blattgrün reduziert, es gibt nur wenige Wildkräuter und manchmal sehne ich mich nach dem frischen zarten Grün des Frühjahrs. In diesem Fall sind Microgreens, kleine grüne Keimpflanzen ein Segen. Praktisch jedes Blattgrün kann innerhalb weniger Tage auf der Fensterbank gedeihen und Grünen Smoothies eine besondere Nuance geben. Ich experimentiere schon länger mit Microgreens und ziehe sie mir mittlerweile auch aus Chiasaat oder Amaranth. Das Vorgehen ist kinderleicht, braucht aber etwas Aufmerksamkeit.

Von der Saat zur grünen Pflanze:

  1. Ich beginne damit, die Saat für einige Stunden in einem Weckglas mit Wasser einzuweichen. Manche Saaten (etwa Quinoa) vertragen nur ein paar Stunden, da sie sonst platzen. Für die meisten aber ist eine Nacht eine passende Dauer. Das Einweichen ist wie ein Kickstart. Es ist nicht unbedingt nötig, beschleunigt aber den Keimprozess und reduziert das Risiko, dass die Pflanzen im empfindlichen Anfangsstadium vertrocknen.
  2. In eine Plastikschale (Baumarkt) setze ich kleine Anzuchttöpfe, in die Bio-Anzuchterde gefüllt wird. Da der Wohnraum zwar warm, aber selten luftig ist, besteht immer die Gefahr, dass die kleinen Pflanzen schimmeln. In dieser Plastikschalen-Variante lässt sich Staunässe gut kontrollieren und überschüssiges Wasser abschütten.
  3. Die eingeweichten Saaten werden auf die Erde gegeben und mit etwas weiterer Erde bestreut. Es ist hilfreich, ein paar Schilder aufzustellen, damit man am Ende nicht den Rucola für einen Brokkoli verkauft.
  4. Mit einer Sprühflasche werden die Pflanzen regelmäßig gewässert, dass sie nicht austrocknen. Am besten stehen sie am Fenster, da sie Licht brauchen. Nun dauert es je nach Saatgut 1-10 Tage, bis sie anfangen zu wachsen. Hanf zum Beispiel keimte erst nach 10 Tagen. Geerntet werden kann, sobald sich mindestens zwei grüne Blättchen herausgebildet haben oder wenn die Neugierde zu groß wird.

 

Microgreens

Vorbereitung: Saaten einge Stunden in Wasser einweichen

 

Anzuchttöpfe

Saat in Anzuchttöpfen

 

Microgreens

4 Tage junger Rucola

 

Microgreens

Rote Akzente: Amaranth

 

Microgreens - Keimpflanzen

Nach einer Woche: Rucola, Rote Beete und Chiasprösslinge.

 

Microgreen

Appetitlich und mild: Die Blättchen der Chiasaat, circa 10 Tage alt.

 

Die Kleinen müssen an die frische Luft

Pflanzen gedeihen am besten in ihrem natürlichen Umfeld. Ich versuche daher, die Pflanzen regelmäßig ins direkte Sonnenlicht zu stellen, sofern die Temperaturen über dem Gefrierpunkt liegen. Die Bildung von Chlorophyll wird durch direktes Sonnenlicht verbessert und die Pflanzen werden so schön grün. Außerdem wird durch die frische Luft draußen der Schimmelbildung vorgebeugt. Wer diese Möglichkeit nicht hat, kann den Pflänzchen immer mal einen frischen Luftzug durch das geöffnete Fenster gönnen.

Da mich der Einfluss des Sonnenlichts auf die Bildung des Pflanzenfarbstoffes Chlorophyll interessierte, habe ich eine kleine Testreihe gemacht, in der ich untersucht habe, wie Weizengras unter verschiedenen Bedingungen gedeiht.

Kleiner Exkurs Weizengras:

Weizen ist ein herrliches Microgreen voller Vitalstoffe und dabei eine recht unempfindliche Pflanze, die ich in drei Varianten angepflanzt habe:

 

  1. Im Keimautomaten: Der Keimautomat bietet beste Voraussetzungen – regelmäßige Befeuchtung, Luftbewegung und somit keine Schimmelbildung. Im Keimautomaten erhalten die Pflanzen aber nur wenig Licht.
  2. Auf der Fensterbank: Es gibt eine gewisse Lichtzufuhr und regelmäßig Wasser, allerdings herrscht da Wohnraumklima.
  3. Im Freien: Der angekeimte Weizen wurde direkt auf den Erdboden geschüttet und nicht weiter versorgt.
Getreidegras

1. Weizengras im Keimautomaten

Getreidegras

2. Weizengras von der Fensterbank

Getreidegras

3. Frisches Freiland-Weizengras im Januar

 

Mich überraschten zwei Dinge: Erstens, wie wenig grün die Pflanzen im Keimautomaten wurden. Das Gras blieb bleich und selbst, als ich es nach einer Woche „aussetzte“, wurde es nicht mehr so grün, wie in den Versuchen 2 und 3. Zweitens war ich erstaunt über die Kraft des Weizens, den ich im Januar bei Frost aussähte. Zunächst hatte der Freilandweizen über Wochen keine Veränderung gezeigt. Nachdem es ein paar Tage Schnee in Berlin gab, vergass ich ihn sogar. Als der Schnee jedoch geschmolzen war, kam ein sattes, kraftvolles Grün zum Vorschein. Der Weizen auf Bild 3 ist circa 4 Wochen alt. Die Pflanzen auf Bild 2 lediglich eine Woche. Draussen hat der Wachstum zwar viel später begonnen, dafür sind die Halme deutlich dicker und robuster als die der Pflanzen aus der Innenraumzucht. Die Pflanzen von der Fensterbank gediehen prächtig und während der ersten Woche schimmelfrei. Nach zehn Tagen allerdings war der Wurzelbereich von Schimmel befallen. Dieses Problem ist die größte Herausforderung bei der Anzucht von Weizengras im Innenraum. Das beste Ergebnis gelingt, wenn man Weizengras im Innenraum vorzieht (2-3 Tage) und dann ins Freiland setzt. Damit es zügiger wächst, kann es nachts reingeholt werden.

Einsatzbereiche von Microgreens

Microgreens lassen sich vielseitig verwenden, da sie intensiv schmecken und ein Hingucker sind. Mit den kleinen Keimpflanzen können viele Gerichte geschmacklich und optisch verfeinert werden. Ob auf Salaten, Suppen oder Beilagen – die kleinen Grünpflanzen bereichern jede herzhafte Mahlzeit. Natürlich probiere ich auch, wie sie sich im Grünen Smoothie machen. Ich nehme meist 1-2 Esslöffel Microgreens und gebe sie zum übrigen Grün dazu. Da viele Microgreens etwas schärfer sind, würde ich sie nicht als einzige Grünzutat verwenden. Die Keimpflanzen von Erbsen, Sonnenblumen oder milden Blattsalaten wie Postelein oder Feldsalat hingegen sind sehr mild und können in beliebigen Mengen in den Smoothie gegeben werden. Sie lassen sich auch gute als Topping verwenden und regen damit zum Kauen beim Smoothiegenuss an.

Keimpflanzen als Topping

Microgreens als Smoothie-Topping

Lasst eurer Fantasie freien Lauf und expermentiert mit allem, was essbare grüne Blätter hervorbringt. Es tut gut, in frisches knackiges Grün zu beissen und sich den Frühling in die Küche zu holen. Viel Freude mit diesen kleinen, nährstoffreichen Geschöpfen.

 

green salad

Microgreens auf grünem Salat

 

 

 

 

 

 

Svenja von GrüneSmoothies.de

Svenja von GrüneSmoothies.de

Grüne Smoothies sind seit 2009 mein Müsli. Sie sind inspirierend, köstlich und sprechen für sich. Sie passen in unser Leben mit drei Kindern und viel Freude an der kreativen gesunden Küche. Sie machen Spaß. Vom Grünen Smoothie inspiriert vereine ich zwei Leidenschaften im Beruf: Das Fotografieren und die Beschäftigung mit Lebensmitteln.

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9 Kommentare

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wenn schon dann nimm so ein Systemanbauset dann hast du nämlich täglich Nachschub vom Grün- es funktioniert auch tadellos für Dinkelgrassaft!

Und auf jeden Fall das Keimglas zum vorkeimen mitbestellen!! Das ist einfach nur genial.

Gruß Andreas

Nora von GrüneSmoothies.de

Danke für den Hinweis. Das müssen wir auch mal ausprobieren...

Hallo Svenja,

seit einiger Zeit überlege ich, ob man nicht im Winter auf der Fensterbank Brennessel-, Spitzwegerich- und Guter Heinrich-Mikrogrün züchten könnte. Die Samen lassen sich ja gut sammeln im Sommer. Da kam mir der Artikel von Dir gerade zur rechten Zeit. Das werde ich probieren. Herzlichen Danke für die anregung

Andrea

Svenja von GrüneSmoothies.de
Svenja von GrüneSmoothies.de

Liebe Andrea,
das ist auch ein super Idee, frische Wildkräuter von der Fensterbank, daran habe ich noch nicht gedacht. Vielen Dank für den Tipp und gutes Gelingen.
Svenja

Hallo Svenja,

finde deinen Beitrag echt toll und interessant! Hätte eine Frage dazu! Würde gerne versuchen Weizengras auf der Fensterbank mit gelegentlichem rausstellen zu ziehen! Besser mit oder ohne Erde? Oder spielt das keine Rolle!

Liebe Grüße

Svenja von GrüneSmoothies.de
Svenja von GrüneSmoothies.de

Liebe Miriam.
ich habe Weizengras immer auf Erde gezogen, weil ich mich da an der Natur orientiert habe. Es gibt allerdings auch sog. Pflanzvlies. Offenbar gibt es da Vorteile bezüglich möglicher Schimmelbildung. Gerade habe ich entdeckt, dass es ein Weizengrassieb gibt, das könnte auch klappen. Guck mal hier: http://www.eschenfelder.de/wissen/tipps/weizengras-anziehen.
Viel Erfolg beim Ausprobieren und meld Dich gern, wenn Du von Deiner Erfahrung berichten magst.
Liebe Grüße - SVenja

Mit der Schimmelbildung habe ich auch öfters Probleme, wenn ich Weizengras anbauen. Letztens habe ich diese Seite hier gefunden, wie man Schimmel etwas vorbeugen kann. Da wird auch beschrieben wie der Anbau ohne Erde funktioniert. Vielleicht hilft es ja
http://www.weizengras-anbauen.de/weizengras-schimmel-vermeiden/

Liebe Grüße

Anne von GrüneSmoothies.de

Liebe Sarah,

vielen lieben Dank für Deinen guten Tipp.

Herzliche Grüße,
Anne

Schimmel wird sich da vermutlich nie ganz vermeiden lassen.. Ist auch stark Wetterabhängig (Hoch oder Tiefdruck..) aber wenn, ist nur der Wurzelbereich betroffen so dass es dem Abschnitt nichts ausmacht. (Is halt Natur)
Zum Anbau in der Eschenfelder Siebschale kann ich nur sagen, dass ich das auch probiert habe aber nur einmal.. Die Wurzeln wachsen so fest da rein - und die Ausbeute ist für den Aufwand und Preis doch eher gering.
LG

Anne von GrüneSmoothies.de

Lieber Andreas,
danke Dir für Deine Rückmeldung und Deinen hilfreichen Erfahrungsaustausch. Ja, durch die benötigte permanente Feuchtigkeit am Boden ist die Schimmelbildung tatsächlich schwer zu vermeiden...
Weiterhin viel Freude beim Anbauen wünscht Dir
Anne